Unsere letzten Wochen auf der Alegria

Venedig war ein wunderschöner Abschluss unserer Reise…. Stopp !!! So ganz zu Ende ist sie noch nicht, da sind zum Glück noch ein paar Stationen und der gelungene, vom Universum bestellte Rücktransport unserer Alegria nach Kiel. Beginnen wir beim Verlassen des Hafens des Segelvereins „Santa Elena“ von Venedig , die uns herzlich aufgenommen haben und von wo aus wir einen perfekten Ausgangsplatz für Unternehmungen in Venedig hatten. Insgesamt lagen wir acht Nächte dort und wohnten somit im Herzen Venedigs und waren doch weit genug vom Tourismusrummel des Markusplatzes weg, um nach Besichtigungstouren Ruhe zu finden. 

Courtesyflag VeniceDie Venezianer fahren an ihren Schiffen nicht die italienische Nationale, sondern die Venezianische. Somit erwiesen auch wir dieser alten Seefahrerstadt unsere Ehre, indem wir unter unsere italienische Gastlandflagge, die venezianische setzten. 

 

BuranoVenedig ist nicht nur der Markusplatz, die Brücken und Gassen, die unzähligen Kirchen und Gondeln. Zu Venedig gehören auch die vielen Kanäle der Lagune. So war es für uns zum Abschluss der Reise noch einmal etwas ganz Besonderes, auf unserer Alegria nicht nur Flüsse (Donau, Krka), unterschiedliche Meere (Schwarzes Meer, Marmarameer, Ägäis, Mittelmeer, Adria) und Kanäle (Cernavodakanal, Kanal von Korinth) zu befahren, sondern nun auch noch die Kanäle der Lagune von Venedig. 

Lagunennavigation selbstgemachtDoch sollte man diese mit einem Segelschiff nicht so einfach ohne vorherige Planung mit einer Karte befahren, da die Gezeiten einen Wasserunterschied von bis zu einem Meter verursachen und man nicht selten in Flachwassergebiete kommt. Leider bekamen wir keine Lagunenkarte mehr gekauft. Wir fotografierten einfach die Karte im Seglerheim ab und Carsten machte davon eine Handskizze. 

BuranoBurano Wir suchten uns einen Weg durch das Wasserlabyrinth, mit ausreichend Tiefgang und los ging die Fahrt durch eine faszinierende Wasserwelt. Vorbei ging es an der Friedhofsinsel S. Michele, an der Glasbläserinsel Murano (waren wir am Tag zuvor mit dem Vaporetto) und schließlich machten wir Halt an der Insel Burano, die durch ihre bunten Häuschen und Handarbeiten (Spitzen) bekannt ist. 

Handarbeit aus BuranoPlätchen am Canale Nachdem die Touristenboote wieder abgelegt hatten, schien auf dieser Insel die Zeit stehen zu bleiben. Frauen trafen, sich zum gemeinsamen Handarbeiten in den kühler werdenden Innenhöfen, Männer zum Boule Spielen oder Sitzen und Schauen am Canale. Wir wählten einen gewagten Liegeplatz für die Nacht mit einer Wassertiefe von 60 cm unterm Kiel. Das Niedrigwasser war noch nicht erreicht, so dass wir am frühen Morgen „trocken fielen“ und Alegria ihren Bauch in den Schlamm stecken konnte. Wir waren gut vertäut, ein Umfallen ausgeschlossen. Das Auslaufen war erst mit dem Hochwasser gegen Mittag möglich. 

Alegria in Burano bei Hochwasser Ein Wochenende in der Lagune Gegenverkehr im Canale

Es ist Sonnabend und somit Wochenende, was bedeutet, dass alles was irgendwie auf dem Wasser fahren kann, auf dem Wasser fährt und durch die Lagune „promeniert“. Sehen und gesehen werden. Hier geht es um schneller, lauter (Jugendliche mit riesigen Boxen auf den Booten, statt in ihren Autos), größer, voller, teurer und schöner. Ein Wahnsinn auf dem Wasser und jeder wirft irgendwo, irgendwann in der Lagune, umgeben von Strandhafer, Gräsern und Salzwiesen seinen Anker. Ein Riesen-Picknick-Platz für Schiffe jeder Größe. Einige blieben über Nacht, einige machten sich am frühen Abend auf den Rückweg. Am Sonntag die gleiche Szene, nur dass am Abend schließlich alle (!) Boote verschwanden und wir die Stille an unserem letzten Abend in Venedig sehr genossen. So verbringen also die Menschen in Venedig ihr Wochenende. 

Nach fünf Tagen Lagune, war es auch für uns Zeit, einen weiteren Stepp in Richtung „Zielhafen“ zu gehen. Ehrlich gesagt, wurde uns jetzt erst immer bewusster, dass unsere Reise bald zu Ende geht. Unsere letzte Station in Italien war eine Ferienort an der Nordküste der Adria (S. Margherita) mit einem schönen Hafen. Der Strand glich eher einem Hähnchengrill und auch sonst war alles auf den Strandurlauber eingestellt. 
Waschtag Das Allerbeste war jedoch, dass wir in diesem Hafen eine Waschmaschine nutzen konnten, die im Preis des Liegegeldes inbegriffen war. Somit war Großwäsche angesagt. Wir „flaggten“ unsere Alegria und alles roch sooooo frisch um uns herum. Das mag jetzt vielleicht spießig klingen und jeder andere, der mir das zuvor erzählt hätte, den hätte ich wohl auch belächelt. Doch habe ich in diesem Fall meine nicht ganz so ausgeprägten Wäschewaschgene zur Geltung kommen lassen und bin in meiner Arbeit förmlich versunken. Ich war fast einen Tag damit beschäftigt, die Wäsche zu waschen, aufzuhängen und zusammen zu legen, das Bett wieder frisch zu beziehen und mich daran zu freuen, dass der Wind und die Sonne so unterstützend mithalfen. Ist doch erstaunlich, dass man sich an so scheinbar banalen Dingen so erfreuen kann.

Nach einer letzten Ankernacht in einer Flussmündung, kam schließlich unsere vierte und letzte Adriaüberquerung. Wir nahmen Kurs auf das elfte und letzte Land der Reise… Slowenien !
Im Hafen fest, wurden wir sogleich von einem Mann begrüßt und zu einem Glas Hauswein eingeladen. Der Wein war nicht schlecht, doch bei der Hitze und nach einem langen Segeltag, stieg er doch recht schnell in den Kopf. Leider konnten wir am Stadtpier nicht liegen bleiben und mussten uns in die sündhaft teure und unpersönliche Marina verholen.
Nun ging alles ganz schnell, zu schnell ?!!!?

Wir holten uns vorab von einigen Yachttransportunternehmen Angebote ein, die zu unterschiedlichen Terminen möglich gewesen wären. Wir sagten jedoch noch nirgends verbindlich zu, da wir uns zunächst vor Ort noch einmal erkundigen wollten. 

Wie gut, denn wie bestellt, stand ein Yachttransport aus Neumünster auf dem Gelände der Marina. Wir sprachen ihn sogleich an. Er erzählte uns, dass sein Auftrag nicht durchgeführt werden könne und er eigentlich nur auf einen weiteren Auftrag wartet… Na, wenn das kein Zauber ist !!!! Wir telefonierten sogleich mit der Spedition und machten noch am selben Tag einen Rücktransport zu einem fairen Preis klar. 

Alles muss aufgeräumt werden das Segel wird zusammengelegt Carsten ist traurig, Alegria vor dem Kran professionelle Hilfe beim Mast legen und Kranen

Wir hatten zwei Tage, um alles zusammenzupacken und für den Transport zu verstauen. Glatter, besser und unkomplizierter konnte es gar nicht laufen. Selbst das Mast legen, Kranen und verladen der Alegria war so fantastisch und reibungslos, dass wir unser Glück kaum fassen konnten. 

Alegria wieder ohne Mast Alegria wird angehoben, Skipper scheint zufrieden Alegria wird geduscht Alegria wird auf den Hänger verladen

Auch das Wetter hatte erbarmen und startete seine schon seit Tagen angekündigte Bora erst, als die Alegria sicher auf dem Transporter stand. Beim Abfahren und ihr hinterher sehen fing es dann auch tatsächlich kurz an zu regnen. Der Wind steigerte sich auf 8 Bft. 

inzwischen ist es sehr windig und dunkel geworden unser letztes Eis warten am Flughafen Ankunft Flughafen

Das war es zunächst, liebe Alegria… ein Jahr lang warst du unser zu Hause und botest uns stets Schutz. Wir erlebten mit dir so viele Abenteuer, wie in unserem gesamten Leben zuvor nicht. Wir lachten, liebten, weinten auf dir, hatten Angst, Freude, Wut, Hoffnung und so manch andere Emotion und empfanden in deiner Gegenwart ein unbeschreiblich großes Glück in unserem Leben. Danke „alte Lady“!!!!

Alegria über Land Carsten fährt Alegria in ihre Scheune Carsten fährt Alegria in ihre Scheune 2

Alegria steht nun sicher und trocken in einer Halle bei einem Bauern und erzählt den anderen Schiffen um sich herum von ihrer weiten Reise… hmmm die glauben ihr nicht wirklich. Wie auch, so viele Menschen haben auch uns nicht geglaubt, dass wir mit so einem alten kleinen Schiff so eine weite Reise wagen wollen. 

Renovierenwhere is the sunJetzt sind wir wieder da, sehen aus dem Fenster in den Regen …. und träumen……..

Es wird wieder los gehen, unsere Träume werden reifen….

 

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