Zu Dritt von Zadar nach Venedig

Bereits einen Tag, bevor mein Vater an Bord kam, waren wir in Sukosan an der Marina angekommen. Wir beschlossen hinter der riesigen Marina zu ankern. Beim Besuch mit dem Dinghy stellte sich heraus, dass die Wahl sehr gut war. Vor uns lag eine unverschämt teure und für das Geld unkomfortable Marina, die ihr Geld offensichtlich größtenteils mit Charterbooten macht, da die Stege wie leergefegt waren. Wir waren uns einig, dass wir meinem Vater gleich zu Beginn eine Nacht vor Anker zumuten konnten und dieses Geld lieber sparten. Ein kleines Problem gab es da allerdings noch ! Unsere Wasservorräte waren fast aufgebraucht und mussten aufgefüllt werden. Mit dem Dinghy und den Wasserkanistern setzten wir zum öffentlichen Wasseranschluss über, den ich am Tag zuvor ausprobiert hatte. Leider war dies nur das Restwasser in der Leitung. Dieser Zugang blieb uns versperrt. Wie selbstverständlich meinte Carsten, dass wir doch mit dem Dinghy am Steg der Marina anlegen könnten, um dort die Kanister aufzufüllen. Was blieb uns anderes übrig. Wir segelten mit all den leeren Kanistern an den Außensteg der Marina (unsere Paddel sind über das Jahr inzwischen beide zerbrochen). Da es „unglaublich“ anstrengend war, gingen wir zunächst die Duschen ausprobieren, um schließlich die Kanister am Steg zu befüllen. Inzwischen briste der Wind auf und drückte das Dinghy ziemlich stark an den Steg… wie kommen wir hier nur wieder weg ? Ein rauskreuzen war nicht möglich, da der Abstand zu uns und den rechts und links liegenden Nobelbooten zu klein war. Was jetzt kommt ist an Dreistigkeit kaum noch zu schlagen. Ein Marinaserviceboot kam, um einem anderem Ankerlieger zu sagen, dass er sich weiter von der Marina entfernt legen sollte. Anschließend hielten sie in unsere Richtung. Am liebsten wäre ich ins Wasser gesprungen und abgetaucht, als ich Carsten plötzlich rufen hörte: „Excuse me, could you help us, please?“ Das konnte jetzt nicht wahr sein, wir haben unberechtigt die Wasserbeute der Marina an Bord und Carsten fragt nach Hilfe um uns vom Serviceboot der Marina zu unserem Schiff schleppen zu lassen. An der Alegria angekommen, fragten sie uns noch interessiert ein paar Frage zu ihr und verschwanden bald unkompliziert. Außer Hör-und Sichtweite kamen wir aus dem Lachen nicht mehr heraus. Carsten zeigte mir schließlich das Werbefaltblatt der Marina in dem ganz klar steht: „… unsere Matrosen stehen ihnen gerne 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung…“ Das war wirklich freundlich von denen.

Am Abend gab es dann ein Wiedersehen mit meinem Vater. Ein Pfiff vom Ufer, den auch unser englischer Nachbarlieger hörte. Dieser machte sich sogleich auf den Weg um mit seinem Motordinghy einen Shuttleservice anzubieten. Damit hatten wir nicht gerechnet und innerhalb von fünf Minuten war mein Vater an Bord. Wir hatten uns viel zu erzählen…

Endlich mal frei !Am nächsten Morgen starteten wir unsere Reise zu dritt. Zunächst mussten wir einen Abstecher über Zadar machen, um dort die Crewliste vom Hafenamt auf drei Personen zu erweitern und abstempeln zu lassen. Dann ging es in die nächste Ankerbucht für die Nacht und am Tags drauf weiter auf die Insel Pag, um Zuflucht im Hafen von Simunj vor dem nächsten Tiefausläufer zu suchen. Wir bekamen die erste Idee davon, was es bedeutet, wenn die „Bora bläst“. Jeder spricht und warnt vor diesem kühlen Wind aus Nordost. Es ruckelte und zuckelte an den Leinen, war jedoch zum Glück nicht angsteinflößend. 

 mixed fish à la Alegriagemeinsam KochenBesonders erwähnen möchte ich unsere Angelversuche in den unterschiedlichsten Buchten und auf dem offenem Meer. Wir waren uns einig, dass die Fische ganz schön schlau sind oder wir zu dumm und vor allem zu ungeduldig zum Angeln. Den frischen Fisch kauften wir letztendlich auf dem Fischmarkt oder in der Fischhalle und ließen ihn uns so schmecken als sei er selbstgefangen.

Carsten scheint zufrieden Ab Zadar Richtung Norden war deutlich zu bemerken, dass die Anzahl der Boote zunahm und die Italiener das Revier fest in der Hand haben. Man sagte uns allerdings auch, dass es ab August noch voller wird und ganze Flotten von Italienern die Buchten besiedeln. Wir bekamen noch überall einen Platz und sind ganz froh, nicht im August in Kroatien zu reisen.
 

Pula ArenaBereits in einem vorherigem Bericht erwähnte ich die schönen Leuchttürme, die an den Küsten oder aber mitten im Meer stehen. Einen ganz bestimmten Leuchtturm haben wir durch Kroatien bis kurz vor Pula ziemlich verzweifelt gesucht. 
Auf einem Bild habe ich diesen tollen Leuchtturm als Luftaufnahme gesehen. Leider stand der Name des Leuchtturms nicht dabei, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als alle Leuchttürme, die mitten im Meer stehen auf der Seekarte zu suchen und so gut es ging auf unserer Reiseroute einzuplanen.

 

'Herr' Pomer, lange gesucht, endlich gefundenAuf der Überfahrt nach Pula gab es noch „Herrn Pomer“… unsere letzte Hoffnung. Ja, und bereits von weitem konnten wir ihn durch das Fernglas erkennen, wie er stolz mitten im Meer steht und den Schiffen ein zuverlässiger Freund ist. Wir haben ihn tatsächlich gefunden und sind anschließend in die wohl vollste Ankerbucht auf unserer Reise gefahren. An die 150 Schiffe lagen verteilt. Die Buchten werden im nördlichen Teil von Kroatien weniger und dafür natürlich auch voller.

Rovinj in SichtRovinj Kurs MarinaEs folgten die Städte Pula und Rovinj. Von dort hieß es dann auch Dosvedenja Kroatien. 

62 sm lagen bis Venedig vor uns. Daher machten wir uns bereits um 4.00 Uhr auf den Weg. Ich bin zwar vom Rumpeln der Ankerkette wach geworden, durfte aber liegen bleiben und das, obwohl ich den vorherigen Abend beim Rommé spielen nicht gewonnen habe.

Kurs Venedig, erste WacheVenedig San MarcoGegen 15.00 Uhr passierten wir das Leuchtfeuer von Venedig und fuhren in die Lagune ein. Die Schiffe wurden mehr und mehr, das Wasser glich eher einem Whirlpool. Schiffe überholten uns, kamen entgegen, kreuzten vor uns und dahinter. Taxiboote, Vaporettos, Motoryachten, Fähren, Segelschiffe, Krankenwagenschiffe, Polizeiboote, Zollboote, Umzugsschiffe, Müllschiffe, Transportschiffe, …

Venedig Rialto und GondolieriWas ist nur los in Venedig ? Wir dachten, dass dies der normale Samstag-Wochenendverkehr ist. So kamen wir dem Markusplatz immer näher und sahen neben dem beeindruckendem Stadtbild noch mehr ankernde Schiffe und Schwimmpontons mit riesigen Boxen. Wir erfuhren am nächsten Tag, dass wir genau zur „Pestparty“ der Venezianer angekommen sind. Dieses Fest wird in der ganzen Stadt mit Lampions und gemeinsamen Essen auf der Straße, sowie einem großen Feuerwerk gefeiert. Als die Pest besiegt wurde, beschloss ein reicher Bürger die Kirche San Giorgio zu bauen und ihr zu Ehren wird jedes Jahr dieses große und für Venedig bedeutende Fest gefeiert. Somit war die „Whirlpoolsituation“ in der Lagune nicht ein Dauerzustand.

Nach zwei Stunden machten wir schließlich müde und kaputt im Hafen Santa Elena fest. Als ob der Tag nicht schon aufregend genug war kam die wohl mit größte Überraschung auf unserer Reise. Nina und Heidi standen plötzlich wie selbstverständlich am Steg. Da konnte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten und bin in mir zusammengesunken. 
FeuerwerkVenedig Feuerwerk Das war eine Wiedersehensfreude bei der der gesamte Hafen von der Lautstärke her teilnehmen konnte. Wir erzählten, lachten, tranken Kaffee und aßen noch alle gemeinsam zu Abend auf der Alegria um als Abschluss des ereignisreichen Tages noch ein einzigartiges Feuerwerk über der Silhouette von Venedig zu bestaunen. Schön war es ganz besonders, dies mit Freunden und meinem Vater teilen zu dürfen. Habt Dank dafür… es wird uns unvergesslich bleiben. Ihr drei habt es wirklich gut eingefädelt, ohne das wir auch nur die geringste Ahnung hatten.

Nina, Heidi und ClaudiaAm nächsten Tag war uns allen noch nicht nach Stadt und Menschen und so zogen wir es vor am Strand zu ankern und ihn mit Baden und Erzählen zu verbringen. Der Abend war dann auch schon der letzte Abend meines Vaters an Bord der Alegria. Die zwei Wochen sind recht schnell vergangen. Wir können nicht genau sagen, für wen es eine größere Umstellung bedurfte. Einerseits für uns, die es ein Jahr lang gewohnt waren zu zweit auf der Alegria zu leben. Wir kennen unsere Bewegungen und unseren Platz. Alles hat irgendwo seinen Ort und seine Stelle. Nun ist da eine Reisetasche mehr in unserem „Wohnzimmer“ und die Sitzflächen sind vom Gast beschlagnahmt. Es stehen zusätzliche Schuhe zwischen den Füßen und eine ausgewachsene Person ist mehr an Bord, die sich bewegt.

Für meinen Vater war es sicherlich das beengte Leben überhabt. Die ungewohnten vorsichtigen Bewegungen, die Einfachheit unseres „Badezimmers“ (Flaschendusche, Solarshower, Waschschale), das Leben aus der Reisetasche und sicherlich auch die Wärme im Vergleich zu Deutschland.

Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit, ohne Stress, die uns zeigt, dass bei gegenseitiger Rücksichtnahme auch ein zeitweiliges Leben auf der Alegria zu dritt möglich ist. 

Venedig Canale Grande Rialto Venedig Markusplatz Venedig Masken Venedig Piazza San Marco

Venedig WeintraubenpauseVenedig PizzaDen folgenden Tag verbrachten wir dann noch einmal mit Nina und Heidi und schlenderten durch die Gassen von Venedig, ruhten auf Plätzen und machten eine lange Pause am Canale Grande, um zu erzählen. Mit Sicherheit wäre jeder andere Fleck auf der Welt für das wie wir die Zeit miteinander verbrachten genauso gut gewesen, doch machte die Umgebung von Venedig daraus etwas ganz besonderes, was teilweise etwas von Filmkulisse hatte, durch die wir erzählenderweise streiften…

Sonnenuntergang
Carsten und ich blieben noch ein paar Tage, nachdem wir uns auch von Heidi und Nina wieder verabschieden mussten…

 

 

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