Nationalparks und andere Schönheiten und Grausamkeiten Kroatiens
Wer glaubt Kroatien besteht nur aus Charterbooten und Campingplätzen, der irrt. Wie schön dieses Land und das Segelrevier ist, haben wir nicht geahnt. Wir werden verwöhnt von
Sonne und Wind, lauen Nächten, von türkisblauen, kristallklaren Wasser, unzähligen Inseln mit ihren traumhaften Ankerbuchten, alten Städten mit ihren Gassen und herrschaftlichen Gebäuden und Kirchen, den zahlreichen Leuchttürmen, die mitten im Meer auf einer kleinen Insel erscheinen und für die wir eine extra
„Leuchtturmgebühr“ bezahlen müssen.

Morgens, mit Beginn der ersten warmen Sonnenstrahlen fängt der Wind ganz zart an zu wehen, wird über Mittag etwas kräftiger und schwächt zum Abend wieder ab, um schließlich ganz einzuschlafen… ein bis jetzt zuverlässiger Rhythmus und zudem für die Alegria und uns Traumbedingungen, bei denen es Spaß macht zu ankern und nur für kurze Besuche einen Hafen anzulaufen, um über den Markt zu schlendern, Wasser aufzufüllen, ein Eis zu essen oder Städte zu bestaunen. Wir strahlen übers ganze Gesicht, wenn Alegria ihren Kiel durch das blaue Wasser pflügt, die Segel sich füllen und uns zur nächsten Insel ziehen lässt.

In Split angekommen beschlossen wir spontan im Stadthafen zu ankern und nicht die überteuerte Marina anzufahren. Unser Beiboot aufgebaut und schon waren wir auf dem Weg, um in die für uns schönste Altstadt Dalmatiens einzutauchen. Der 1700 Jahre alte Diokletian Palast gehört zur UNESCO und wurde zu Recht in die Liste der weltlichen Kulturerbe aufgenommen. Ein Labyrinth aus Gassen, Plätzen, stillen und belebten Winkeln, abgestützten Häusern und nach dem Krieg wiederaufgebauten Gebäuden ist das Herz von Split. Drumherum gleicht es dann doch eher einer normalen Großstadt mit grauen Hochhäusern. Wir lagen im Filetstück von Split, welches jedoch im Nachhinein seine Schattenseiten präsentierte. Über Tag bekamen wir eine frische Seebriese zu riechen, in der Nacht, als der Wind schlief wurden wir von unangenehmen Gerüchen belästigt. Das Hafenwasser war eine einzige Kloake. Am nächsten Morgen konnten wir an der Uferpromenade beobachten, dass trübes stinkendes Wasser direkt in das Hafenbecken geleitet wurde. Oh, oh, hier passen weiße Marmorpromenade, schicke Bars und Cafés nicht zu dem Gestank im Hafen und der Einstellung, dass sich das Wasser schon selbst reinigen würde.
Für uns ein Grund, nur eine Nacht zu bleiben, auch wenn die drum herumliegenden Ankerlieger nette Menschen waren.
In den darauffolgenden Tagen erlebten wir Natur pur. Es wurde zwar schwerer einsame Ankerbuchten zu finden, da die Chartercrews inzwischen das Revier fest in Beschlag nehmen, doch ändert es nichts daran, dass die Buchten trotzdem traumhaft, das Wasser kristallklar und die Temperaturen schweißtreibend sind. Wir erleben unseren perfekten Sommerurlaub 2007. Die Inseln ein absoluter Tranquilizer zum geschäftigen Treiben in Split.
Ein weiteres Ziel war der Nationalpark Krka. Es ging durch das enge Krkaflussbett gegen den Strom 8sm hinauf bis zum historischen Städtchen Skradin. Die Fahrt erinnerte uns an die Fahrt auf der Donau. Nur diesmal mit Mast gestellt und teilweise gesegelt.
Geradezu idyllisch lagen wir umgeben von einem Schilfgürtel in einer Bucht vor Anker. Dieses Bild wollte anscheinend keine der noch ankommenden Yachten zerstören (vielleicht dachten sie ja auch, wir stinken und haben Läuse…. Gypsiboat) und so respektierten sie einen großen Abstand zu uns.

Am nächsten Morgen setzten wir mit dem Segeldingi über und schon ging es mit einem Zubringerboot zu den beeindruckenden Krkawasserfällen. Die Schönheit der Schlucht und seine Naturphänomene sind schwer messbar. Mal wieder unvergesslich. Geradezu tropisch war die Luft an den Wasserfällen und in unserer Ankerbucht kam es uns vom Geruch manches Mal so vor, als hätte jemand einen
Aquariumsdeckel geöffnet.
Froschkonzerte, Grillen, die um die Wette zirpen, laut platschende, springende Fische, uns umtanzende Schmetterlinge und erstaunlich wenige Mücken !
Weiter ging die Fahrt mit Zwischenstopp in Sibenik, um nach einer Internetmöglichkeit zu suchen (erfolglos) und Proviant für die folgende Ankerwoche in den Kornaten zu bunkern.
Die Kornaten, für Viele kahle Steinhügel, für andere eine einzigartige Insellandschaft. Schwer fällt es mir seine Faszination zu vermitteln. Mondlandschaft, Steinwüste, krass karge Ödnis, scheinbar fehlende Zivilisation, ein Labyrinth aus Inseln, in der man ohne Karte aufgeschmissen ist und es wirklich ratsam ist die Inseln zu zählen und immer wieder mit der Seekarte abzugleichen. Die Inseln sind überzogen mit geraden Linien, die sich beim näheren Hinsehen als Mauern entpuppen. Sie werden Trockenmauern genannt, da sie ohne Mörtel oder ähnliche Bindemittel gebaut wurden. Stein für Stein !!!! Was für eine Arbeit, die Steine zusammenzutragen und über die gesamte Insel zu einer Mauer zu bauen. Sie sind gerade so hoch, dass kein Schaf darüber springen kann und so dick, dass der Wind sie nicht umbläst.
Wir bestiegen, natürlich in der Mittagssonne, einen dieser Mondberge und bestaunten die Kornaten aus einem anderen Blickwinkel. Wunderschön waren die weißen Segel im Kontrast zum azurblauen Meer und den grauweißen Kalkstein. Wieder so anders als all das, was wir bisher gesehen haben.
Der Legende nach sind die Kornaten jedenfalls aus einem Häufchen von Steinfelsen entstanden, die Gott nach dem Erschaffen der Welt übrig hatte. Er warf sie ins Meer, schaute sich um und stellt fest: Hier ist nichts zu verbessern.
Nach über einer Woche „Wildnis“ waren unsere Süßwasservorräte aufgebraucht und die Batterien der Alegria leergelutscht, so dass wir eine Marina aufsuchen mussten, nicht wirklich wollten. Hier werden wieder ganz andere Geschichten geschrieben. Schreiende Anlegemanöver, fliegende Leinen an den Pier, überwitzige Crews, die meinen beim Signal des Rückwärtsfahrens der Fähre hupend antworten zu müssen, schnarchende Bootsnachbarn, ein nettes italienisches Paar, das neben uns liegt und uns zu Pasta, Prosecco und Espresso zum Mittag auf ihr Boot einlädt und eine übermitteilungsbedürftige Motorbootmitfahrerin, die lautstark ihre Boraerfahrungen dem unmittelbaren und mittelbaren Bootsnachbarn aufzwingt.
Wir verlassen die Enge des Hafens gerne wieder und verweilen in zahlreichen Ankerbuchten, die zum Schnorcheln und Baden einladen. Auch über die Unterwasserwelt könnte ich geradezu ins Schwärmen geraten. Es gibt Fische, die mir im Wasser das Brot aus der Hand fressen und mich umschwimmen. Allerlei Meeresgut finden wir, lassen es größtenteils wieder fallen und sind aber auch so manches Mal verärgert, was für ein Müll auf dem Grund herumliegt. In einer Ankerbucht passierte uns noch ein kleines Missgeschick. Beim rückwärts Einfahren des Ankers, hing eine Festmacherleine aus dem Dinghy und diese umwickelte unseren Propeller, so dass er komplett blockierte. Nach 10 Minuten Tauchen war das Problem zum Glück gelöst und das Ankermanöver konnte beendet werden.
Der Abschnitt „Kornaten“ geht zu Ende. Wir nehmen Kurs auf Zadar, um dort meinen Vater für zwei Wochen mit an Bord zu nehmen. Er wird uns bis Venedig begleiten.