Im Zick-Zack-Kurs durch die Kykladen

CarstenClaudiaWie die Kykladen sind, so haben wir gehört, stellt sich der Tourist Griechenland vor. Blendend weiße Häuserkuben, die im malerischen Rund den kahlen Berg hochklettern, gekrönt von blaugekuppelten Kirchen und strohgedeckten Windmühlen. „Eine der größten Freuden, denen ein Mensch auf dieser Welt gewürdigt werden kann, ist, die Kykladen zu bereisen.“ (Nikos Kazantzakis). 

typische Kirchenoch eine typische KircheVon Patmos machten wir uns früh um sechs Uhr auf den Weg, um auf die größte der Kykladeninseln zu fahren: Naxos. Leider war die Fahrt nicht nur lang (65 sm = 13 Stunden), sondern auch extrem anstrengend. Eine unangenehme Welle machte uns das Leben schwer. Nach 13 Stunden konnten wir den Kurs zum Glück ändern. Die Welle kam auf den letzten paar Meilen dann von achtern (hinten). 

Gasse Esel auf dem Markt Windmühlen byzantinische Kirche

Die ersten Häuserwürfel erkannten wir schließlich von Naxos, die wie Zuckerguss auf die schroffen Felsen geklebt schienen. Im Hafen von Naxos festgemacht, waren wir einfach zu müde, noch irgend etwas zu tun. Ein einfaches Brot mit Ei und ein Bier und letztendlich nur noch schlafen…

DemetertempelHöhlenkirche KaloritsaAuf Naxos mussten wir erneut drei Tage Wind aussitzen. Wir nutzten dieses wieder für Erkundungen der Insel. Mit dem Bus fuhren wir unter anderem ins hügelige Hinterland und unternahmen eine Wanderung durch bunten Blumenwiesen und Oliven- und Orangenhaine. Eine alte antike Ruinenstätte mit einem Demetertempel und eine Höhlenkirche hoch in einem Felsen mit vorgelagerter Klosterruine, in der während der türkischen Besatzungszeit heimlich Gottesdienste stattfanden, lagen auf unserem Weg. 

der Aufstieg zur Höhle hat sich gelohnt Wandern durch Blumenwiesen der Eingang zum Apollontempel

Naxos selbst ist eine typische Kykladenstadt mit engsten Gässchen und Winkeln, das Verlaufen ist garantiert. An der Hafenfront sind zahlreiche Tavernen und schicke Bars aufgereiht. Im Hafen selbst wurden wir angenehm überrascht. Wir bekamen Wasser und Strom und wurden im versteckten Hafenbüro von zwei netten jungen Damen begrüßt. Normalerweise übernahmen die Formalitäten auf den anderen Inseln immer gleich aussehende Männer in perfekt sitzender Uniform mit coolen „Topgun-Brillen“. Die scheinen derzeit wohl wieder „in“ zu sein. Sie kassieren centgenau die Hafengebühren von 3,74 € oder 4,82 €. Wie sich die einzelnen Preise zusammen setzen versteht man nie so genau. Da werden Beträge in Taschenrechner oder hilfsweise in multifunktionale Handys eingetippt und irgendwann nach zehn Stempeln und dreifacher Kopie der Crewliste der Betrag niedergeschrieben. Wir grinsen uns oft in uns hinein und nehmen sie natürlich (!) ernst, aber denken so oft an unsere Hafenmeister an der Ostsee, bei dem jeder ein individuelles Gesicht trägt, mit trockenen Sprüchen und manchmal seemännisch tätowiert bis zum Oberarm. Fragt man die griechischen Hafenverantwortlichen nach der aktuellen Wettervorhersage, so bekommen wir stets zur Antwort: „4 to 5, locally 6“. Solange die Fähren noch fahren kann der Wind noch nicht zu stark sein. Klasse, wir fragen sie schon gar nicht mehr.

Wettfahrt mit KreuzfahrtschiffNach vier Nächten auf Naxos ging es für uns dann weiter nach Mykonos. Wir hatten das Meer für uns allein und genossen einen perfekten Segeltag. An der Enge zwischen Mykonos und der Insel Delos (das antike Zentrum der Kykladen, mit vielen alten Säulen und der berühmten Löwenstraße) nahm Alegria ein Wettrennen mit einem Kreuzfahrtschiff auf. Wir hatten bereits über Funk geklärt, das der schwimmende Hotelriese auf unserer Leeseite passiert, da wir sonst in ein Windloch geraten wären und somit seinen Heckwellen hilflos ausgeliefert. Schnell kam er dichter, doch Alegria hielt mit sechseinhalb Knoten dagegen. Als wäre dies nicht schon aufregend genug an so einer Engstelle, sprangen zwischen uns und dem Kreuzfahrer auch noch lustig ein paar Delfine. Ich habe mich aber anscheinend so laut gefreut, dass ich sie verschreckt habe. Sie begleiteten uns leider nur kurz.

MykonosOld Venice auf MykonosMykonos, das Reiseziel zahlreicher Touristen. Sie soll eine typische griechische Insel darstellen. Nein, das ist sie für uns wirklich nicht. Die paar vorzeigbaren Seiten der Insel werden gnadenlos ins Rampenlicht gerückt, sind jedoch zweifelsfrei auch beeindruckend… aber das die Insel diesen Ruhm erreichen konnte ist uns bis jetzt ein Rätsel. Zwei Nächte reichten auf dieser überteuerten Insel zumal wir auf einer Baustelle wohnen mussten. Wir lagen an schrundigen Kaimauern an der Gummireifen wie riesige Lakritzdrops baumelten. Um uns herum Baggergeräusche und Staub. Kein Wasser, kein Strom, nichts ! 

Yoga am Strand mit Pelikan Pedros Pedros Leben am Bauzaun

Seit sechs Jahren wird an diesem Hafen gebaut. Außer einer Mole und inzwischen schon wieder verrostete Festmacherringen ist nicht viel passiert. Letztes Jahr sollte der Hafen fertig gestellt sein, so stand es zumindest auf einem großen Informationsschild für das Bauprojekt mit dem zusätzlichen Hinweis, dass es durch EU-Gelder finanziert wird. Weit sind sie noch nicht gekommen. 

Auf der anderen Seite der Mole legten viele Fähren und Kreuzfahrtschiffe an, die aus allen Richtungen kommen und als bald wieder ausströmen. An einer von uns zuvor noch nicht gesehene Fähren, einem Highspeedkatamaran, fuhren wir vorbei in den Hafen. Ein ufogleiches turmhohes Hightechgerät mit aalglatten Seitenwänden und meterlangen Kühlluftschlitzen. Eine schwimmende Riesenwerbetafel für Vodafone mit stromlinienförmigen Bug. Auch die Passagiere, die in dem riesigen Bauch dieses Monsters verschwinden wirken irgendwie stromlinienförmig. Sie tragen kaum Rucksäcke, sondern Designer-Klamotten, die Damen Sonnenbrillen, die das ganze Gesicht bedecken und Handys zwischen dolchlangen Fingernägeln. Ein digitales Laufband heißt die Passagiere willkommen. Dann legt sie ab, vernebelt Teile des Kais mit einer schwarzen Qualmwolke und schon faucht „Highspeed 4“ wie eine Höllengeburt davon und zerreißt mit ihren zwei Rümpfen die Oberfläche der Ägäis. Keiner der Passagiere wird sich an Bord seine Haare zerwuseln lassen können, niemand wird nach der Fahrt das Salz auf seinen Lippen spüren oder die Haut von der gutmütigen Sonne leicht gerötet haben. Schade, doch kurze Zeit später legt noch eine klassische alte weiße Dampferfähre an. Wie ein asthmatischer Riese rasselt die Kette aus ihrem Rachen auf den Meeresgrund. Auch aus ihr steigen zahlreiche Touristen aus. Es gibt diese nostalgischen Fähren noch, doch werden sie mit Sicherheit bald aussterben…

Chérete, du vielbesuchte Insel Mykonos… wir machen uns auf den Weg zu deiner verwaisten Nachbarinsel Syros… dort sollen die Uhren langsamer laufen. Wir fahren dem Licht entgegen!

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