Apokalypse Now

Ich möchte euch nicht von dem Film von Francis Ford Coppola berichten. Vielmehr soll es um Griechenlands heilige Insel Patmos gehen, auf der der Apostel Johannes die göttliche „Geheime Offenbarung“ geschrieben hat, die Apokalypse (siehe Bibel; Offenbarung des Johannes 1,9)…

Alegria KaffeePatmos in SichtDoch alles der Reihe nach. Von Kos ging es nach Leros und von dort nach zwei Nächten weiter nach Patmos. Frühstück gab es an Bord bei 10° Krängung. Zunächst sah es ganz ruhig aus… in der Bucht. Der Kaffee konnte gemahlen und die Häppchen geschmiert werden. Der Wind war mit der leichten Welle perfekt. Alegria zog mit 6 kn ihrem Ziel entgegen. Bald war die Insel in Sicht.

geschützte Bucht mit HafenFisch zu KarfreitagDie vielen hübschen Cafés auf Patmos waren mit zahlreichen Pilgern gefüllt. Hier ist offensichtlich zu Ostern Saison. Nur Segler gibt es hier mal wieder kaum. Für unser Abendessen hatten wir uns Fisch ausgedacht. „Costas“ vom Fischladen zeigte uns auch stolz seinen Fang im Kühlraum. Wir sollten in zwei Stunden wiederkommen, da er ihn noch zerkleinern und säubern muss. Nach zwei Stunden stand ich wieder auf der Matte. Costas sah mich mit seinen großen glasigen Augen selig grinsend an. Heute wird es wohl keinen Fisch mehr von ihm geben. Statt den Fisch zu säubern hat er es vorgezogen in einer geselligen Männerrunde mit Ouzo und Bier den Karfreitag zu zelebrieren. Ich wurde auch eingeladen, lehne aber dankend ab. Wir aßen stattdessen zu unserem Salat Fisch aus der Dose.

KarfreitagsprozessionZur Nacht nahmen wir an der Karfreitagsprozession teil. Besonders viele herausgeputzte Griechen pilgerten zu einem Platz… wir hinterher. Um uns herum eine Duftwolke von Boss über Lagerfeld und Dior. Die neuste Schuhmode scheint „Hauptsache spitz“ zu sein. In den Menschenmassen mussten wir aufpassen, dass die vielen Kerzen, die uns mit den Menschen umgaben, unsere Fleecejacken nicht an kokelten. Irgendwann setzte sich etwas in Bewegung. An uns vorbei ein geschmücktes Kreuz, prunkvolle Kerzenlichter und Gewänder, Särge mit Blüten geschmückt, die Bibel und singende Menschen. Alle folgten diesen wie Lemminge. Jedoch nicht singend oder andächtig schweigend. Nein, da wurde telefoniert, SMS geschrieben, Mode bestaunt oder Neuigkeiten ausgetauscht. Auf einem anderen Platz wurde erneut gestoppt, um wieder zu singen. Dazwischen immer wieder laute Knallerei, ein kleines Feuerwerk, wie Sylvester. Die Fussböden der zahlreichen Kirchen waren mit duftenden Blumen und Kräutern bestreut (Lavendel, Jasmin, Melisse, Thymian, Salbei), all das, was auf den Wiesen zur Zeit duftet und blüht.

Ab über die Insel Weiter gehts Höhle des Johannes Klosterfestung

Am nächsten Tag mieteten wir uns einen Motorroller. Zunächst ging es rauf zum Kloster, welches hinter mächtigen Festungsmauern liegt, da die reichhaltigen Schätze Begehrlichkeiten im ganzen Mittelmeerraum weckten. Ottomanen und Sarazenen, Venezianer und Genuesen, christliche Kreuzritter und islamische Seldschuken belagerten die Mauern der Abtei. Die Mönche wussten sich zu wehren und gossen den Eindringlingen heißes Pech und siedendes Öl auf den Kopf. Eine Pechnase am Haupteingang erinnert an den Empfang. Wir konnten zum Glück ungehindert eintreten in die wohl schönste Altstadt Giechenlands: byzantinisches Mittelalter in Vollkommenheit erhalten. Ein Labyrinth aus engen Gassen, Winkeln und ausgetretenen Treppen. Manchmal orientierten wir uns am Stand der Sonne, um aus diesem Wirrsal an Gängen wieder hinaus zu finden. Ein Patmos-Aufenthalt ohne Klosterbesuch ist undenkbar. Das riesige Bollwerk ist der Inbegriff der griechisch-orthodoxen Kirche. So treten auch wier hinter die mächtigen Klostermauern. Wir tauchten ein in eine Welt mit verschwiegenen Innenhöfen und lauschigen Arkaden, eine prächtigen Kirche, schwarz wehenden Gewändern, getragen von Männern jeden Alters mit teilweise beachtlichen Bärten. Sie alle waren beschäftigt und schienen sich auf die Osternacht vorzubereiten. Wir entschieden uns, nur einen ersten Eindruck vom Kloster zu gewinnen, die Osternacht hier zu erleben und auch die Schatzkammer an einen der nächsten Tage zu besichtigen.

Warten auf das Geläut zu Ostern Alles wird gerichtet für das Osterfest Dem Himmel so nah

Weiter ging es zu der Felsenhöhle in der der Apostel Johannes, nachdem er im Alter von 95 Jahren von Ephesos nach Patmos verbannt wurde, die „Geheime Offenbarung“ (Apokalypse) seinem Schüler Próchoras diktiert haben soll. Einige Wissenschaftler scheinen das zu widerlegen, aber das interessiert hier keinen. Die Grotte ist uns bleibt für die Griechen ein heiliger Ort. Beeindruckend ist er auf jeden Fall. Wir nahmen uns die Zeit, um still zu sitzen und einfach nur zu lauschen und den Geist zu spüren.

Den Rest des Tages nutzten wir unseren Motorroller, aßen in einer Taverne am Strand gegrillten Oktopus und entdeckten die Schönheit der Insel. 
Es ist eine wunderschöne Insel… hier würden wir Urlaub machen!

Um 23.00 Uhr machten wir uns auf den Weg, um im Kloster die Osternacht zu erleben. Wir traten ein in den bereits überfüllten Arkadenvorhof der Kirche. Die Gesänge der Mönche waren bereits zu hören. Um 24.00 Uhr wurde es still. Einige Mönche bauten sich vor einem langen hängenden Holzbrett auf. Dann hielten sie inne und begannen rhythmisch mit Holzhämmern auf das Brett zu schlagen. Einer schlug mit einem Eisenhammer auf ein Stück Eisen. Ein imposantes Geräusch mit immer wechselnden Rhythmen, das schließlich monotoner wurden, fast erdrückte und in einer plötzlichen Stille endete. Die schwarz gekleideten Mönche verschwanden, sangen in der Kirche und kamen nach einer halben Stunde in königlichen Gewändern in den Vorhof. Begleitet wurde es durch das Anzünden von Kerzen, die zunehmend mehr Licht verbreiteten, da jeder dem anderen Licht gab. Weihrauchschwaden stiegen auf, die Bibel wurde beküsst, es wurde gesungen und schließlich Glockengeläut. Es schallte nur so. Alle Glocken waren in Bewegung und auch sichtlich alle Menschen innerlich bewegt. Nach einer Stunde gingen die meisten Massen. Zurück blieb ein kleiner Rest, so dass wir den weiteren Verlauf in der Kirche mit verfolgen konnten. Etwas bekifft vom vielen Weihrauch machten wir uns um 2.00 Uhr auf den Weg, da kein Ende abzusehen war.

Ostersonntag gab es ein spätes Sektfrühstück und ansonsten verbrachten wir den Tag mit Lesen und der Suche nach einer Internetmöglichkeit. Die „Eingeborenen“ der Insel sahen uns teilweise an, als verlangten wir Unmögliches. Ein Mann in seinem Juweliergeschäft ließ uns an seinem Laptop, um kurze Wetterinformationen zu erhaschen. Es bleibt bei kräftigem Nordwind. Die Griechen haben zu Ostern einen komischen Brauch. Sie knallen den ganzem Tag mit Knallfröschen und, was unerträglich ist, mit Kanonenschlägen… ich zuckte nicht selten zusammen.

Inzwischen ist es auf Patmos ruhiger geworden. Die „Blue Star Ferry“ hat die Athener Menschenmassen abgeholt. Jetzt wird es wohl noch beschaulicher. Carsten entpuppt sich als idealer Hafenmeister von Patmos. Er hilft den wenigen Chartercrews beim Anlegen, hält einen kurzen Plausch, gibt den ein oder anderen Tipp oder repariert auch mal wie selbstverständlich ein Ruder auf einer Bavaria…

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