Rhodos, von Helios verwöhnt …

Internet auf Rhodos Hafeneinfahrt Rhodos Rhodos Hafen Wo ist die Alegria

Eine von vielen GassenAkropolis von RhodosDas Einlaufen in den Hafen von Rhodos war ein Genuss. Wir waren umgeben von prächtigen Bauten und mitten dazwischen durften wir liegen. Vor uns drei alte Windmühlen, alles überragend der Großmeisterpalast mit seinen mächtigen Festungsmauern, maurische Gebäude, die den Zauber von 1001 Nacht verkörperten, daneben italienische Villen und eine Kirche, dass man meinen könnte, dass Venedig nicht weit ist. 

Griechische FlaggeRhodos zentraler PlatzDiese Stadt hat mit seiner Altstadt, den vielen engen Gassen und Labyrinthen etwas sehr faszinierendes. In der Rittergasse konnte man beim Durchschreiten förmlich das Geklapper der Hufe der Pferde hören und die stattlichen Ritter vor seinen Augen sehen. 

Leider sind außerhalb der Altstadt die Baukünstler nicht ganz so kreativ gewesen. Schnell hochgezogene Hotels stehen neben herrschaftlichen Villen und scheinen sie durch ihre Größe geradezu zu bedrohen. Doch eindeutig schöner und stattlicher, wenn vielleicht auch genauso zerfallen waren die alten italienischen Villen, die, obwohl in die Jahre gekommen, noch immer ihren Reiz versprühten. Die Touristen sollen erst in drei Wochen kommen (Osterferien), bis dahin ist noch allerhand zu pinseln, aufzuräumen und zu gestalten. An einigen Tagen legten Kreuzfahrtschiffe an. Dann war in der Altstadt ganz deutlich zu erkennen, dass alle ihre Souvenirläden für ein paar Stunden öffneten und anschließend wieder in den Winterschlaf verfielen. Die ersten Tage wurden wir von Helios, dem Sonnengott, verwöhnt und Poseidon war uns gnädig. Wir hatten ihn anscheinend nicht bedacht, als wir eine Flasche griechischen Wein öffneten. Der erste Schluck sollte immer an Poseidon gehen… (einen Schluck ins Wasser kippen), um ihn gnädig zu stimmen. Jedenfalls fauchte er nach drei stillen Tagen ununterbrochen. Im Hafen wurde es ungemütlich und alles andere als schön. Alegria sprang hin und her und zurrte an den Leinen, dass es mir bei jedem Ruck mit weh tat. Einen Abend war es so schlimm, dass mir schlecht war und ich den Zustand nur im Liegen aushalten konnte. Zum Glück drehte der Wind nach drei Tagen auf West, so dass in den Hafen kein Schwell mehr kam und wir wieder ruhiger lagen. 

Grand Master Palastin LindosAber es war nicht alles schlimm, denn wir verließen teilweise die Alegria und suchten uns windstille Plätze… einmal saßen wir den ganzen Nachmittag allein im Innenhof des Grandmasterpalastes und lasen oder wir saßen auf der Treppe am Hauptplatz und beobachteten Menschen und Tiere oder wir liehen uns ein Auto und erkundeten die Insel, fuhren nach Lindos mit seinen respektablen Kapitänshäusern, der Akropolis und wieder vielen engen Gassen. 

ein EisCarsten Rhodos blüht über und über, das ist gerade im Hinterland wunderschön. Die Sonne war über Tag ununterbrochen am Himmel und schien von einem knallblauen Himmel auf uns herab. Nur sehr vereinzelt traten mal kleine Schäfchenwolken auf. Die Sonneninsel Rhodos verdient seinen Namen. 

Die Überfahrt nach Simi war mit seinen 24 sm sehr entspannt. Wir hatten allerschönsten Sonnenschein und leichten Wind. Über Nacht hat sich das Meer beruhigt, so dass die See nur mäßig bewegt war. Delfinwetter, sagte Carsten und tatsächlich ist uns wieder eine Delfinschule begegnet… mit übermütigen Sprüngen. 

Alegria im Schutze des KlostersDer Wind schüttelt das Bett aus Wir entschieden in Simi die Klosterbucht Panormitis anzusteuern. Es waren wieder heftige Südwinde angekündigt und diese war eindeutig besser geschützt als der eigentliche Haupthafen von Simi. In der Klosterbucht angekommen, hatten wir einen riesigen Steg für uns allein. Nach den Straßengeräuschen von Rhodos kam es uns hier geradezu einsam vor. Vereinzelt sah man schwarz gekleidete Mönche mit langen Bärten. Hier im Schutze des Klosters sollte uns bei dem angekündigten Unwetter wohl nichts passieren.

Gegen Abend wurde ein Segelschiff in die Bucht geschleppt. Sie hatten einen Propellerschaden und waren unter Motor manövrierunfähig. Es wurde bereits dunkel und der Taucher konnte unter Wasser nicht mehr viel sehen. Wir liehen ihnen unsere Tauchlampe und kamen ins Gespräch. Eine sehr nette Gruppe Italiener vom Gardasee und aus Siena. Sie haben mit fünf Leuten für eine Woche ein Segelschiff gechartert und sind auf dem Weg von Rhodos nach Samos. Wir aßen gemeinsam zu Abend und verbrachten auch die meiste Zeit des nächsten Tages gemeinsam, da sie aufgrund des heftigen Windes auch nicht ausliefen. Sie stehen im Gegensatz zu uns unter Zeitdruck und müssen die Strecke in einer Woche schaffen. Ich möchte mit ihnen nicht tauschen. Am Tag drauf brachen sie in aller Frühe auf. Gegen neun erreichte uns eine Funkmeldung von ihnen, dass alles in Ordnung ist. Etwas Sorgen haben wir uns schon um sie gemacht, da der Wind auch noch an diesem Tag erbarmungslos blies. 

Unsere Vorräte sind reichlich und so können wir hier in dieser Bucht die stürmische Zeit gut ausharren. Wir machen es uns in der Alegria gemütlich oder erkunden die Umgebung….

In der letzten Nacht hat mich mit Sicherheit niemand um meine Reise beneidet. Seit Montag Abend (19.3.07) fauchte der Wind erbarmungslos durch die Bucht. Er fand nach drei Tagen in der Nacht sein großes Finale. Winselnd und eingeschüchtert lag ich und konnte das Zurren, Zerren, Knarren und Seufzen der Alegria nicht mehr hören. Sie verteidigte sich mit allen Kräften und kämpfte gegen den Südsturm der mit 10 Bf über uns hinwegfegte an. Teilweise wurden wir so vom Wind erfasst, dass wir unsere Gläser festhalten mussten, da sie ansonsten durch die Schräglage vom Tisch gerauscht wären. Der Wind peitschte über das Meer, dass die Gischt waagerecht in der Luft lag, das alles begleitet von einem Lärm, das selbst die Ohropax in meinen Ohren keine wirkliche Erleichterung brachten. Wir machten kein Auge zu. Bei jeder Böe krampfte ich zusammen (heute merke ich die Verspannung). Ich fluchte und weinte vor Verzweiflung… Carsten tröstete mich und drückte mich fest an sich. Der Wetterbericht um Mitternacht über Funk versprach auch keine Besserung. Im Gegenteil sagten sie „strong gale“ an. Erst gegen 4.00 Uhr schienen die Atempausen des Windes länger zu werden. In einer von diesen muss ich wohl vor Erschöpfung eingeschlafen sein.

Gegen 8.00 Uhr wachten wir auf. Der Wind hat sich gedreht und säuselte sacht. Die Alegria war eine einzige Salzstange und voll von kleinen Kieselsteinen, die durch die Luft gewirbelt wurden. Außerdem voll von feinem gelben Wüstensand. Eine dicke Festmacherleine ist durchgescheuert. Noch ein paar Stunden länger, dann wäre sie gerissen. Durch die Richtungsänderung des Windes wurden wir auf den Pier gedrückt. Es stand ein unangenehmer Schwell. Nicht lange überlegt, legten wir ab und warfen den Anker 200 m entfernt.

Wir frühstückten in absoluter Stille… nur das Meckern der Ziegen und ihre Glocken waren zu hören…

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