„Hos geldiniz“ an Bord
Nach der schlaflosen Nacht folgten wunderschöne sonnige Tage und sternenklare Nächte. Unsere Zeit war aufs Nichts-Tun eingestellt. Einfach nur sitzen, schauen und staunen. Lesen, schreiben, reden oder beieinander sein, ohne zu sprechen und im Wunder des Schweigens mehr als zufrieden zu sein. Eine Aneinanderreihung von Glück!
Unsere Tage in dieser Region sind gezählt. Wir wollten gerne noch einmal bei der Familie in der wunderschönen Bucht in Kapi vorbei, um uns dort zu verabschieden. Zu gerne denken wir an ihre unkomplizierte Lebensart. Ein Anruf bei Mehmet und schon waren wir für den Abend eingeladen. Eine Stunde später klingelte das Telefon… es war erneut Mehmet.
„Arkadas Carsten, is it possible to go over Sarsalar ?“
Carsten: “No problem, why?“
Mehmet: “Could you bring my family ?“
Carsten: ”Of course, how many people ?”
Mehmet: ”I think 10.”
Carsten: ”OK, see you soon.”
Ein lautes Losprusten von Carsten. Wir sollten also tatsächlich aus der übernächsten Bucht 10 Familienmitglieder von Mehmet mitbringen. Carsten kannte die Bucht bereits, da dies die Bucht aus der Rettungsaktionssturmnacht war in dem sie den Mann gebracht haben, der dringend zur Dialyse musste. Er kannte den wackeligen Steg und das es dort gerade mal 2m Wassertiefe an der Außenseite hatte. Aber das sollte kein Problem sein, denn wenn man etwas in der Türkei lernt, dann ist es, dass alles irgendwie möglich ist. Wir machten uns auf den Weg in die nächste Bucht.
In Sarsalar angekommen sahen wir nur einen verwaisten Steg mit einem kleinen Fischerboot. Keine Familie! Wir warteten noch ein paar Minuten, bis wir schließlich hoch oben am Berg einen Kleinbus hupen hörten. Dies waren bestimmt unsere Passagiere. Die Serpentinen herunter erkannten wir zusätzlich noch ein Auto. Wir sahen uns an Deck um und uns an, da sollten 10 zusätzliche Personen mit Gepäck untergebracht werden. Irgendwie wird es schon gehen.
Dann ging alles sehr schnell. Der Kleinbus wurde ausgeräumt, der Kofferraum des Pkw's ebenfalls. Eine große Traube von Menschen und Gepäck näherte sich. Wir erkannten einige von unserem letzten Besuch wieder. Opa, Kinder, Bruder des Schwagers, Nichte der Schwester, alle waren sie plötzlich auf der Alegria. Das Gepäck hielt sich mit Ölkanistern, Wasserkanistern, Kohlköpfen, Brot, Keilriemen und riesigen Plastiktüten wirklich in Grenzen. Lebende oder tote Tiere zum Beispiel mussten wir nicht transportieren. Es war eine lustige kurzweilige Überfahrt von 4 sm. Unterwegs passierten wir noch das Restaurant des Sohnes vom Bruder des Vaters, um im Vorbeifahren einen Beutel Brot auf den Steg zu werfen. In Kapi angekommen gab es ein herzliches Wiedersehen. Wir aßen im Kreise der Großfamilie und ließen den Abend ruhig ausklingen.
Der nächste Tag war komplett verregnet. Wir hatten einen faulen Tag in der Alegria.
Am Abend wurden wir von Heike und Hardy eingeladen. Ein deutsches Paar, welches schon seit drei Jahren auf ihrem Schiff lebt. Wir hatten uns viel zu erzählen.
Wenn es in der Türkei einmal regnet dann kann man davon ausgehen, dass dies nicht länger als 30 Stunden der Fall ist. Auch diesmal war die Theorie richtig. Der Tag begann erneut mit strahlendem Sonnenschein. Wir unternahmen eine Wanderung über die Berge.

Die Mandelbäume blühen bereits und die Wiesen sind voll mit Gänseblümchen und Veilchen. Wir gingen durch Schafherden und an einsam gelegenen Häusern vorbei. Aus den einfachen Gärten lachte man uns freundlich zu. Es waren mal wieder wunderschöne Tage in Kapi.