Ich hasse ihn!

Grillabend in Göcek 1Grillabend in Göcek 2Nachdem wir 2 Wochen den Luxus einer perfekt ausgestatteten Marina in Göcek genutzt haben, zog es uns nun wieder in die Stille der Ankerbuchten. Wir wurden in Göcek zu einem Grillabend eingeladen, den wir zusammen mit Susan und Wally bei Tolga in seinem Haus genossen. 

Der sympathisch junge Mann an seinem Köfte-Grill in der Stadt begrüßte uns inzwischen per Handschlag und auch sonst schien es so, als ob man uns in dem kleinen beschaulichen Ort kannte. Selbst in der Marina sprach man mal mit dem und dem über dies und das. Es war schön und ein wenig Alltag kehrte ein. Es gab nicht wirklich etwas Besonderes. Ich fand einen schönen Platz an einem kleinen einsamen Strand an dem ich gerne las, meditierte oder Yoga machte. Es waren zwei äußerst ruhige Wochen.

MorgenduscheNach 13 Nächten in einem Hafen hieß es wieder „Leinen los“. Unser Ziel lag nur 4 sm entfernt. In der Ankerbucht angekommen saßen wir erst einmal, als der Anker gefallen war und genossen die Stille. Das Quaken der Frösche, das Zirpen der Grillen und das Platschen der Fische. Nach einem lecker Latte Macchiato entschieden wir uns für einen zusätzlichen Heckanker, um ein stabileres Liegen zu gewährleisten. 
  

Regenwasser sammeln Der Wind sollte nach reiflicher Prüfung mehrerer Wetterseiten über Nacht aus Süd kommen und dann auf West drehen. Unsere ausgesuchte Ankerbucht war für diese Winde bestens geschützt… Es gab nur einen Öffnung nach Osten und Ostwind war weit und breit nicht angekündigt.

 

 

Boynuz BüküWas jetzt kommt kann sich bestimmt jeder denken. Aus der ruhigen idyllischen Ankerbucht wurde nichts. Stattdessen eine fast schlaflose Nacht mit einem starken Wind aus Ost. Der Wind kam direkt aus der Einfahrt in die Bucht und blies erbarmungslos. Zu dieser Seite haben wir unseren Heckanker ausgebracht. Das bedeutet, das wir mit dem gesamten Gewicht an unserem Hilfs-Heckanker lagen und der Hauptanker völlig unbelastet blieb. Ich muss schon sagen, dass hätte ich nicht gedacht… aber mein Vertrauen in die Anker ist gewachsen.

Müde nach der SturmnachtDie Nacht war jedenfalls fürchterlich. Teilweise war das Zurren und Schütteln an der Alegria so stark, dass ich an mir feststellte, dass ich völlig angespannt und verspannt war. Ich habe nicht mehr gezählt, wie oft Carsten die Plane festzog und die Anker kontrollierte. Mit kalten Händen und Füßen kam er jedes Mal zurück und wärmte sie an mir…

 

Der Morgen nach dem SturmIn solchen Nächten wünschte ich mir einen Knopf, der mich in mein sicheres, warmes Bett in Kiel beamt. Aber um wie viel schöner, ist dann das Frühstück am nächsten Morgen, nachdem wieder alles friedlich ist und einem glauben lässt, dass alles nur ein böser Traum war. Die Stille erscheint dann fast unwirklich… nur die Müdigkeit erinnert an die letzte Nacht.

Gedanken vom 13. Februar 2007

Ich hasse ihn!

Ich hasse ihn, weil er mich nicht schlafen lässt,
        weil er laut ist,
        weil er erbarmungslos ist.
Ich hasse ihn, weil er zurrt und zerrt,
        weil er rüttelt und schüttelt,
        weil er dröhnt und stöhnt.
Ich hasse ihn, weil er mir Angst macht,
        mir deutlich macht, wie klein ich bin.
Ich hasse ihn, weil ich nur in seinen Atempausen Luft holen kann
Und dann still hoffe, dass er einschläft.
Ich hasse ihn !
Ich liebe ihn, wenn er mich sanft streichelt,
        wenn er Gräser leicht bewegt und Wolken ziehen lässt.
Ich liebe ihn, wenn er Segel aufbläst, die scheinbar lautlos übers Wasser gleiten…
Mein Freund und Feind, ich liebe und hasse dich !

 

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