Bozburun, Marmaris und die letzten Schritte bis zur „Winterpause“

In Körmen warteten wir einen guten Moment ab, um die 24 sm um das nächste Cap zu segeln. Die See hatte sich beruhigt und so wurde es ein schöner Segeltag. Aus der Ferne sahen wir hoch erhoben stolz stehend den weißen Leuchtturm. Diesen galt es zu umrunden. Wie sollte es auch anders sein, drehte der Wind um das Cap auf Süd. Das letzte Stück war dadurch nicht ganz so entspannend aber noch durchaus o.k. Eigentlich wollten wir im antiken Hafen von Knidos halt machen. Knidos war im 4.Jh vor Chr. ein blühendes Handelszentrum. Hier hat der berühmte Bildhauer Praxiteles die Statue der unbekleideten Aphrodite geschaffen und machte die Stadt daher auch zu einem Pilgerzentrum in der Antike. Wir schlugen es uns aus dem Kopf, den südlichen Hafen anzulaufen, als wir sahen wie die Wellen sich in den Hafen bewegten. Die alte Hafenmole ist im Meer versunken und daher bei Seegang nicht so gut zu erkennen. Statt dessen sahen wir uns die antike Stadt aus dem Fernglas an. Erneut waren wir beeindruckt von der Lage dieser Stadt, die einst 70 000 Einwohner hatte. Kein Wunder, dass für die schönste aller Göttinnen so ein schöner Platz gewählt wurde. Die Statue kann man aber inzwischen nicht mehr in Knidos bewundern, sondern in Izmir im Museum.

Ein Geräusch von hinten machte mich neugierig. Ich drehte mich um und sah ein riesiges weißes Schiff sich in ziemlicher Geschwindigkeit nähern. Es war so schnell, dass es hinter sich eine unglaubliche Fontäne produzierte. Das alles verbunden mit einer Heckwelle, in die man lieber nicht gelangen möchte. Wie wir später erfuhren war es die Autoschnellfähre nach Rhodos, die mit 50 kn über das Wasser düst. Die großen Wellen machten sich erst nach 20 Minuten bei uns bemerkbar. Zum Glück waren sie einfach nur hoch und brachen nicht. So rollten sie recht lustig unter der Alegria hindurch.

Glitzerndes MeerNach unserem nächsten Stopp in einem gemütlichen Hafen fuhren wir weiter nach Bozburun. Wie in einem eigenem Segelrevier versteckt lag der Hafen geschützt hinter vielen kleinen Inseln. Dieser Hafen gefiel uns ausgezeichnet. Wir lagen in einem gemütlichen kleinen Stadthafen, der sehr gepflegt wirkte. Am Abend machten wir eine bemerkenswerte Begegnung mit einem türkischen Mann in unserem Alter in einer Taverne. Er sprach uns an. Als er erfuhr, dass wir mit unserem Segelschiff unterwegs waren, fing er an zu lächeln und begann schließlich auch von sich zu erzählen. Er hat auch ein Segelschiff. Sein Traum! Mit seiner damaligen Frau wollte er darauf leben und Geld verdienen. 

Regentropfen Doch an dem Tag, an dem er das Schiff aus Antalya überführte, begann der Traum zu platzten. Seine Frau wollte das Leben auf dem Schiff nicht mehr. Sie trennten sich nach einigen Versuchen. Seitdem arbeitet der junge Mann nicht mehr. Er ist einfach nur da und beobachtet die Menschen. Er horcht in sich hinein und versucht zu ergründen, was er möchte und wohin seine noch nicht vorhandenen Träume ihn tragen. Er meinte, dass dies sehr schwer auszuhalten sei, was ich mir gut vorstellen kann. Ein bisschen kam er mir vor wie die kleine Maus Frederik aus dem Kinderbuch. Er steckte so voller guter Gedanken und zerging in seiner Situation nicht in Selbstmitleid. Er nahm sich und seine Situation an und hatte für mich unglaublich viel Geduld mit sich.

Carsten liest ein BuchViele Träume vom Leben können nicht Wirklichkeit werden. Aber einen Traum sollte jeder Mensch einmal gelebt haben. Jeder sollte die pure Lust, das Ungewöhnliche im Leben kennen gelernt haben. Der Weg dorthin ist oftmals steinig und schwer. Mit Träumen meine ich nicht das, was sich nur Wohlhabende leisten können. Es ist vielmehr das, was ein Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten „toll“ findet. Träume, die nicht gelebt werden, verkümmern (faulen) und fangen irgendwann an unser Leben zu vergiften. So werden wir unzufrieden oder machen gar andere Personen für unsere Unzufriedenheit verantwortlich.

Und wenn man einen Traum kennt und nicht den Mut hat, ihn zu leben ? So kann man zum einen weiter denken, dass man es nicht schafft oder den Traum vor seinem Auge so lebendig werden lassen, dass er zum Magneten wird...

Am nächsten Tag fuhren wir, nachdem wir auf dem Markt eingekauft hatten, weiter in eine kleine Ankerbucht. Sie war sehr schmal, so dass wir eine Landleine ausbrachten. Carsten schwamm zu den Felsen und fädelte die Leine durch einen Stein mit Loch... guter Festmacher J. Am Abend wurden wir mit einer ziemlich steifen Brise überrascht. Es zogen Wolken auf. Der nächste Tag war fast komplett verregnet. Wir konnten das Meer zwar nicht sehen, jedoch hören. Draußen schien eine ganz schön große Brandung zu sein. Kein Fischer fuhr aus der Bucht und so beschlossen auch wir einen faulen Lesetag einzulegen.

Seemann CarstenAm nächsten Morgen brachen wir zeitig auf. Im Regendunst war es meine Aufgabe ein Morgenbad zu nehmen und die Landleine zu lösen. Das Wasser war nicht so kalt wie vermutet. Im Verlauf des Vormittags fingen wir die Sonne ein. Das Meer lag wieder azurblau um uns. Unser nächster Hafen war Marmaris. Marmaris hat eine sehr schöne Altstadt. Im 16. Jh. hat Sultan Süleyman der Prächtige eine Festung bauen lassen. Von dort konnten wir direkt auf den Hafen sehen und gut erkennen, wie ein schmaler weißer Streifen das Blau des Wassers vom Grün der Wälder trennt. Wir blieben zwei Nächte. 

Übermütiger DelphinAuf unserem letzten Stück zu unserem Winterlager Fethiye sahen wir noch einmal Delfine. Diesmal waren sie so übermütig, dass sie riesige Sprünge aus dem Wasser machten, so dass es Carsten gelang, ein besonders schönes Foto zu machen. Dies war eher unbeabsichtigt. Der Delfin befand sich allerdings so lange in der Luft, dass Carsten mit der Kamera vor dem Bauch genügend Zeit hatte abzudrücken. Eine beeindruckende Vorstellung von ihnen ... allein für uns !!!

Nach einer Nacht in einer Ankerbucht (Ekincik) fuhren wir unsere vorerst letzte Etappe in den Fethiye-Golf. Wir wollten eigentlich noch ein letztes Mal vor unserer Winterpause ankern. Die ausgesuchte Insel mit einer wirklich schönen Einbuchtung und einer wunderschönen Umgebung war nur zu einer Seite geöffnet. Genau aus dieser Richtung fing es gegen Nachmittag ziemlich an zu winden, so dass die Wellen genau in die kleine Bucht drückten. Wir waren uns einig, dass wir die Bucht lieber wieder verlassen wollten und an einem anderen Tag erneut anlaufen wollen. Statt dessen nahmen wir Kurs auf Göcek mit einer sehr schön gelegenen neuen Marina.

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