Eine Woche Natur, stille Ankerplätze und die Qual der Wahl

Die Wettervorhersage versprach für die kommende Woche wenig Wind und unbegrenzt Sonnenschein. Vor uns lag der Gökova-Golf, eine fjordartige Bucht mit unzähligen kleinen Inseln und Ankerplätzen. Aus unseren Reiseführern geht hervor, dass dies das Traumrevier der Türkei ist. Das ist auch der Grund dafür, dass man hier im Sommer stille Plätze vergebens sucht.... Wir können uns nicht beschweren, reisen scheinbar allein und finden unberührte Natur mit kristallklarem Wasser vor, bei der es einem schwer fällt eine Entscheidung zu treffen, wo man den Anker fallen lässt.

Stiller AnkerplatzNach der ersten Ankernacht 20 sm östlich von Bodrum ging es am nächsten Tag 15 sm durch den Golf an die Südseite. Hier verschwanden wir in einer weiteren Bucht, die sich u-förmig in die Felsen einschnitt und uns so einen sicheren Ankerplatz bot. Zur Begrüßung kamen gleich ein weißes Entenpaar und 7 Graugänse angeschwommen. Ansonsten war dort nichts. Nachdem der Motor verstummte und der Anker eingefahren war, begannen wir zu flüstern, um die Ruhe nicht zu stören. Eine sternenklare Nacht mit Orion, Syrius, dem Stier und seinen Gesellen brachte uns erneut zum Staunen. Das Schauspiel fand jedoch nach einer geruhsamen Nacht am nächsten Morgen seinen Höhepunkt. Wie ein transparenter Vorhang lag der Nebel über der Bucht. Die Nebelschwaden stiegen anmutig tanzend langsam in die Höhe. Ein Fischreiher saß wie selbstverständlich neben unserem Boot am Ufer. Die Sonne schnitt ihre Strahlen durch den Nebelschleier und verzauberte die Landschaft erneut in ein anderes Licht... jede Minute bot sich ein neues Bild. Hier schien alles aufeinander abgestimmt zu sein. Vereinzelt waren schon die ersten Vögel zu hören, Fische kamen an die Oberfläche oder sprangen mit einem „Platsch“ wieder ins Wasser (vergleichbar mit einem Becken im Orchester). Mehr und mehr war das Summen der Insekten zu hören. Nach einer Stunde war der Vorhang gelichtet... wir genossen noch etwas die Ruhe und wollten nicht wirklich den Motor anwerfen, um diese Harmonie zu stören. Nur leider war kein Wind, so dass wir uns nicht leise aus der Bucht schleichen konnten.... 

Mir geht es gutUnser nächstes Ziel waren die Kleopatrainseln. Dies soll angeblich bereits Kleopatra so beeindruckt haben, dass sie sich hier mit ihrem Geliebten Antonius einst vergnügt haben soll. Die Inseln seien, so heißt es, auf ihr Geheiß mit feinem Sand aus Nordafrika als Liebesnest hergerichtet worden. Wir bekamen auf der Insel unseren eigenen Anlegesteg und einen Privatstrand mit feinem goldgelben Sand geboten. Das Wasser leuchtete in allen Blau- und Grüntönen. Im Sommer muss man hier viel Eintritt bezahlen und hat die Insel mit Sicherheit nicht für sich. Ein Bad Ende November, das hatte schon was. Selbstverständlich wurde der nächste Tag mit einem erquickenden Bad begonnen. 

Wir verließen diesen Ort, um 16 sm weiter zu den sieben Inseln (Yedi Adalar) zu fahren. Auch hier fanden wir erneut einen wunderschönen Ankerplatz vor. Diesmal wurde erneut gebadet... jedoch etwas unfreiwillig von Carsten. Ihm fiel von unserem Beiboot die Halterung für die Paddel (für Markus S.: die Ruderdolle ) ins Wasser. 6 Meter unterm Boot konnte man sie gut im Sand liegen sehen... also ein kurzer Tauchgang... 

Was für ein Leben.... am nächsten Tag zockelten wir weiter. Erneut Sonnenschein! Staunend und voller Glück fuhren wir an mächtigen Bergen vorbei. Immer wieder bot sich ein neues Bild. Die Bergmassive erinnerten uns meistens an lauter schlafende Drachen, die ihre großen Füße und den langen Schwanz dicht ans Wasser legen. Der gezackte Rücken liegt faul und genussvoll in der Sonne... wie wir. 

Von den wunderschönen Ankerbuchten fuhren wir nach Körmen in einen Hafen... unser Privathafen? Hier war niemand, nicht einmal ein Fischerboot war zu sehen... Dafür fanden wir einen Wasserhahn und eine Steckdose mit Strom. Auf einer sandigen Straße wanderte ich gut 3 km an einfachen Bauernhäusern mit riesigen Gärten vorbei bis ich endlich eine Möglichkeit fand, Brot und Trinkwasser zu kaufen. Diese beiden Grundnahrungsmittel waren inzwischen aufgebraucht. Somit kommen wir auch noch im nächsten Hafen in Knidos über die Runden, da es auch hier keine Versorgungsmöglichkeit geben wird.

In der Nacht kam Wind auf. Seit einer Woche haben wir keinen Internetzugang und können auch keine Wetterdaten empfangen. Die türkischen Wetterinformationen über Funk auf englisch sind sehr lustig anzuhören und zudem nie zutreffend. Eigentlich freut sich ein Segler immer über Wind. Nur ist es nicht besonders witzig, wenn der Wind immer aus vollem Hals bläst oder gar nicht. Am Morgen standen wir jedenfalls auf unserem Schiff und beobachteten die Wellen außerhalb des Hafens. Viele, viele weiße Schaumkronen waren zu erkennen. Zudem kam der Wind mal wieder aus der Richtung, in die wir fahren wollten. Die Entscheidung nahm uns letztendlich Fedayi ab. Er ist im Sommer Kapitän auf einem Gulet. Er warnte uns vor diesem Tag. Stattdessen tranken wir mit ihm Kaffee, erfuhren viel über die Touristenfahrten und die „geheimen“ schönen Plätze im nächsten Golf. Ich fuhr mit Fedayi auf seinem Motorroller auf ein Tomatenfeld, um eine riesige Tüte mit frischen Tomaten einzusammeln. Das wird eine herrliche Pastasauce!!!!

Als ich zurückkam erfuhr ich, dass sich die UIVER dem Hafen nähert. Die Fahrt war nicht besonders angenehm für die beiden. Auf großen Wellen schaukelten sie in den Hafen. Für den Nachmittag fuhren Susan und ich zum Einkaufen mit dem Dolmus ins 10 km entfernte Datca. Wie Esel bepackt kamen wir zurück. Da stand auch schon wieder Fedayi neben Carsten und brachte uns aus seinem Garten eine ganze Kiste Mandarinen und Zitronen. Zudem übergab er uns noch zwei Flaschen Olivenöl. Wir luden ihn zum Essen ein und hatten einen lustigen gemeinsamen Abend. 

Auch am darauffolgenden Tag fuhren wir nicht weiter, nachdem die UIVER uns über Funk warnte. Sie sind recht früh aufgebrochen und kamen in sehr ungemütliche Kreuzseen mit viel Wind. Sie funkten uns an, dass sie bereits auf ihrem großen Schiff mit dem Seegang zu kämpfen hatten. Das brauchten wir nicht und machten uns einen schönen Tag in unserem Privathafen. Ich wanderte zunächst in die Berge und anschließend am Strand mit der wunderbaren Brandung zurück. Vom Strand aus ist es ja sehr erholsam.... ich war sehr froh, nicht auf dem Wasser zu sein!

Carsten hat bei schönstem Sonnenschein eine Beststandsaufnahme gemacht und letzte Sturmschäden beseitigt. Er kramte so vor sich hin und betonte immer wieder, dass es ihm nichts ausmachte und er sehr zufrieden damit war. Somit genoss eigentlich jeder für sich diesen Tag. Am Abend kochten wir fürstlich, so dass von dem leckeren Geruch mindestens 10 Katzen angelockt wurden, die aufgereiht an der Pier saßen. Vereinzelt wagte eine Katze einen Sprung auf die ALEGRIA. Carsten erschreckte eine Katze so sehr, dass sie ins Wasser fiel... Nun bekamen wir Mitleid und Carsten rettete die Katze vor dem Untergehen. Die wird mit Sicherheit nicht mehr auf unser Deck springen ...

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