Samos und die wohl peinlichste Geschichte in unserem Seglerleben
Unsere Fahrt ging weiter durch die Straße von Samos. Das Meer hat sich eine schmale Passage zwischen dem türkischen Festland und der Insel Samos geschaffen. Rechts und links ragen imposante Berge empor. An der schmalsten Stelle erreicht die Samosstraße eine Seemeile. Zudem nimmt die Tiefe von 120 m recht zügig ab auf 30 m. Dies hat zur Folge, dass das Wasser sehr unruhig ist. In der Seekarte waren sogenannte „overfalls“ eingezeichnet, was bedeutet, dass es hier zu ziemlichen Wellen kommen kann, die brechen. Dies geschieht bei entsprechendem Wind.
Wir fuhren bei leichten Winden und somit war die Passage ein Genuss. Nach der Enge wurde es windiger, so dass wir noch einmal Fahrt aufnahmen, bevor wir zu unserem Ankerplatz für die Nacht kamen. Wir erreichten die sogenannte St. Pauls Bucht. Hier hat der heilige Paulus mit seinem Schiff gelegen, bevor er nach Ephesos segelte, um dort in dem beschriebenen Amphitheater das Christentum zu verbreiten. Ich muss schon sagen, dass er sich hierfür ein ziemlich nettes Fleckchen ausgesucht hat. Leider fegte in dieser Nacht der Wind gewaltig von den Bergen, so dass die Nacht nicht ganz so schön war.
Wir ließen uns am nächsten Morgen Zeit, um weiter zu fahren, da der Wind gegen Mittag deutlich weniger werden sollte. So war es auch. Nur leider nahm uns der 1200 m hohe Berg auch den Wind komplett. Dies wäre eigentlich wieder ein Tag zum Delfine gucken... leider sahen wir diesmal keine. Lesen und Faulenzen stand an der Tagesordnung. Die nächste Ankerbucht 23 sm weiter südlich war auch sehr schön...
Wir wollten am nächsten Morgen recht zeitig aufbrechen, um früh in unserem nächstgeplanten Hafen in Yalikavak anzukommen. Um 8.30 Uhr starteten wir den Motor. Er wollte jedoch nicht anspringen... was war das nun schon wieder ???
Carsten probierte eine Stunde alles durch... inzwischen kennen wir ja die unterschiedlichsten Fehlerquellen. Der Motor startete nachdem der Feinfilter ein- und ausgebaut wurde. Prima, Anker auf und los geht´s! Na, ganz so einfach war es dann doch nicht. Der Motor ging wieder aus. Zum Glück war das Wasser noch nicht so tief, so dass wir auf 7 m den Anker erneut fallen ließen. Jetzt ging die Fehlersuche weiter. Im Tank war noch Diesel zu sehen. Vielleicht waren die Schläuche verschmutzt... man kann sich das ähnlich wie bei einem Herzinfarkt vorstellen, dass sich nach und nach immer mehr Ablagerungen an den Schläuchen bilden, bis irgendwann nichts mehr durchgeht. Dann bekommt der Motor keinen Diesel, wie das Herz kein Blut bekommt.
Carsten stocherte mit einem langen Draht durch den Schlauch und spürte auch einen Widerstand. In diesem Moment funkte uns Wally von der UIVER an, die ca. 20 sm entfernt in einer Ankerbucht waren. Sie wollten nur mal nachfragen, wo wir sind. Wir erzählten ihnen von unseren Problemen... eine Lösung war jedoch absehbar, wenn wieder Diesel durch den Schlauch läuft. Unser Tank hat zwei Schläuche. Zum einen den Schlauch für die Dieselzufuhr und zum Anderen den Schlauch, um den Diesel komplett aus dem Tank ablassen zu können. Carsten klemmte einfach diesen Schlauch an das System, da dieser vermutlich nicht verschmutzt war. Tatsächlich, der Motor sprang an... Carsten tanzte einen Freudentanz!!!!
Somit legten wir nicht wie geplant um 8.30 Uhr ab, sondern um 14.00 Uhr. Es lagen nur 16 sm vor uns, so dass wir dies vor Einbruch der Dunkelheit noch schaffen sollten. Viele werden jetzt sagen, warum wir nicht einfach gesegelt sind... wir hatten den ganzen Tag keinen Wind... die See lag wie ein Spiegel
vor uns! Es gab noch ein Problem, weshalb wir diese Bucht unbedingt verlassen wollten. Der Wind sollte auf Süden drehen. Somit wären wir in dieser Ankerbucht komplett ungeschützt gewesen und hätten dann gegen den Wind fahren müssen. Aber so waren wir glücklich, dass der Motor doch noch lief... er lief jedoch nur genau 40 Minuten! Danach war es soooo still. Nicht einmal das Wasser plätscherte, kein Vogel, kein Fischerboot,.. nichts... nur Wasser um uns und eine Tiefe von 130 m... da hält kein Anker! Jetzt blieb uns nur noch ein Hilferuf zu unseren Freunden aus Holland. Natürlich waren sie sofort bereit, uns aufzusuchen und uns abzuschleppen. Wir gaben unsere Positionsdaten durch. Nach ca. einer Stunde Warten waren sie bei uns... wie Engel tauchten sie aus dem Nichts auf. Zwei Stunden wurden wir schließlich in den nächsten Hafen geschleppt. Inzwischen war es dunkel... Wally wollte nun unbedingt mit Carsten auf „Ursachenforschung“ gehen.
Vermutet wurde mal wieder Luft im Tank... wie war das möglich... das kann passieren, wenn kein Diesel im Tank ist. Tja so war es dann auch... der Motor sprang aus dem einfachsten Grund nicht an: Wir hatten mal wieder keinen Diesel im Tank ! Peinlich!!!! Noch peinlicher war es, dass wir uns mit 60 l Reserve abschleppen ließen. Für Carsten war es ziemlich klar, dass wir eigentlich noch genug Diesel im Tank haben mussten... dies war wohl falsch. Er dachte sogar daran, dass der Tank ein Loch hat oder wir anderweitig Diesel verloren... nur haben wir weder eine Spur hinterlassen, noch roch es irgendwie danach. Wally behauptet zu recht, dass Carsten in allen Dingen eine „Pielemoos“ ist (das ist jemand der in allen Dingen sehr genau ist). Außer mit dem Diesel... dies wird sich jetzt wohl ändern...
Zum Glück war es nichts Schlimmeres, somit konnten wir am nächsten Tag unsere Reise fortsetzten. Wir fuhren durch bezaubernde Inselwelten. Unzählige kleine unbewohnte Inseln und im Hintergrund zeichnete sich bereits Kos ab. Die nächste Station ist Turgutreis... benannt nach einem alten Admiral aus dem 16. Jh., der hier geboren wurde.