Eine fehlende Seekarte
Bereits in Ayvalik stellten wir fest, dass uns ein Teil einer Seekarte für den Weg in den Süden fehlte. Wir kauften die türkischen Seekarten in Istanbul in einem Seekartenladen speziell für die Berufsschifffahrt. Uns fehlte nun ein Stück von ca. 20 sm. Das Problem war nur das dies ausgerechnet die Ansteuerung für Cesme beinhaltete und sich hier einige Felsen und Untiefen befanden. In Ayvalik hätte man uns eine Seekarte bestellen können... Dauer 10 Tage!
Wir fuhren zunächst ohne weiter, da wir darauf hofften, dass wir in den Häfen in der unmittelbaren Umgebung eher jemanden antreffen, der diese Seekarte besaß.
In Foca fragten wir den Hafenmeister, der überaus freundlich war. Er wollte sich gleich bei den Fischern erkundigen, ob jemand diese Karte besaß. Gegen Nachmittag wollte er zu unserem Schiff kommen. So war es auch. Der Hafenmeister in hochoffizieller Uniform stand mit Seekarte vor unserem Schiff. Wir vereinbarten, dass er uns das Teilstück kopiert. Am nächsten Morgen konnten wir es in seinem Büro abholen. Das erregte Neugierde bei unseren türkischen Bootsnachbarn. Er fragte, ob wir Probleme haben. Wir erklärten ihm das Problem mit unser fehlenden Seekarte... „kein Problem...ich habe die Karte!“ Mit seiner Frau kam er am Abend mit einigen Seekartenrollen unterm Arm und zeigte sie uns. Er bedauerte es, dass er den Abend keine Zeit hatte, wollte uns aber für den nächsten Abend zum Essen einladen.... er betonte es, dass sich „Seeleute“ untereinander helfen müssten... es ist etwas anderes ob man mit dem Bus anreist oder von See kommt...
Er verabredete sich mit uns für den nächsten Morgen, um die fehlende Seekarte zu kopieren. Gut, dass wir das Angebot nicht ausgeschlagen haben. Ich holte die kopierte Seekarte am nächsten Tag vom Hafenmeister ab... die Sekretärin überreichte sie mir stolz. Ich bedankte mich und sah schon, dass sie für uns so nicht zu gebrauchen war. Mit einem Straßenatlas hätten wir ebenso gut (?) navigieren können. Es war eine sehr kleine Kopie und zudem haben sie die Skala der Längen und Breitengrade nicht mitkopiert... somit zur Navigation nicht zu gebrauchen. Der Wille war jedoch sehr herzlich!
Eine Chance hatten wir noch mit unserem Bootsnachbarn. Kurz vor 10.00 Uhr kam er mit einer kleinen Rolle in der Hand und überreichte sie uns strahlend. Carsten sollte sie sofort aufwickeln... das nennt man eine Kopie von einer Seekarte! Er machte uns eine Farbkopie in vier Teilen. Zusätzlich überreichte er uns eine Rolle Tesafilm. Er wünschte uns eine gute Fahrt und wollte fast beleidigt nichts für seinen Dienst haben. Am Abend zuvor bedankten wir uns bereits mit einem Likör bei den Beiden... sie waren sehr gerührt über diese Geste.
Mit dieser Karte segelten wir sicher bis nach Cesme. Dazwischen legten wir wieder eine Ankernacht in einer sehr geschützten Bucht ein. Eine sternenklare Nacht inklusive.
In Cesme trafen wir erneut auf Susan und Wally. Carsten probierte im Hafen unser Bananaboot (Beiboot) unter Segel aus. War sehr lustig... Er freute sich wie ein kleiner Junge und segelte mit viel Spaß im Hafen umher... Der Tag versprach erneut, wunderschön zu werden.... tja, wenn es nicht so bescheuerte Muringleinen gäben würde.
Carsten startete den Motor und vergaß, dass der Schalthebel nicht auf neutral gestellt war... somit drehte sich sofort der Propeller. Was nun kam, kann sich vielleicht jeder denken... die Muringleine wickelte sich lustig um den Propeller. Na toll... mit viiiieeel Geduld, Glück, Kraft, Phantasie, Hilfe, Kälte und nochmals Geduld bekam Carsten die Muringleine los... musste zum Teil jedoch abgeschnitten werden. Jedenfalls wollte wieder jeder im Hafen helfen. Mit Wally zusammen gelang es schließlich. Carsten war knapp am Verzweifeln und war schon ziemlich durchgefroren, da er immer mit dem Oberkörper im Wasser hing. Zwei Stunden dauerte das ganze Unternehmen.
Von Cesme fuhren wir schließlich nach drei Nächten weiter nach Alacati. Hier ist ein wunderschöner neuer Hafen entstanden. Die Stadt selbst ist liebevoll restauriert wurden. Im Sommer sind in den zahlreichen Kaffees und Restaurants mit Sicherheit viele Menschen. Wir jedoch kamen uns eher vor, als durchschritten wir eine Museumsstadt. In einem besonders schönem Restaurant tranken wir mit Susan und Wally bei Kaminfeuer einen Wein.
Nach zwei Nächten in Alacati ging es weiter... (Carsten nahm am Morgen jedoch noch einmal ein Bad im Hafen mit Taucherbrille und Schraubenzieher bewaffnet, da sich eine Schraube der Zinkanode am Propeller duch die Muringleinenaktion gelöst hatte... erforderte von ihm erneut viel Geduld).
Unser nächster Stopp war wieder eine Ankerbucht (Gökliman).... traumhaft ! Sie war bis zu den Felsen so tief, dass wir eine Landleine um einen Felsen legten, um sicherer zu liegen. Am nächsten Morgen brachen wir zeitig auf, da 35 sm bis Kusadasi vor uns lagen...