Sturm und der erste Wintereinbruch
In Ayvalik lagen wir sicher im Hafen. Gegen Nachmittag nahm bereits der Wind zu. Zum Abend zurrte es schon gewaltig an den Festmacherleinen. Die Nacht war bedingt durch Regen und Sturm sehr unruhig. Am nächsten Morgen bot sich uns im Hafen ein Bild nach einem Unwetter. Segel flogen an Schiffen umher... hatten sich durch den Sturm gelöst, Schiffe schaukelten um die Wette. Das Personal hatte tüchtig zu tun, die nicht besetzten Schiffe zu sichern. Wir schaukelten mit der ALEGRIA noch den gesamten Tag bis spät in die nächste Nacht hinein.
Gegen Morgen des darauffolgenden Tagens schlief der Wind endlich ein. Was für eine Stille! Die Sonne kam durch. Wir machten uns auf den Weg, Ayvalik zu erkunden. Unsere Polsterstoffe ließen wir zudem in einer Reinigung vom Salzwasser der Sturmfahrt reinigen.
Am nächsten Tag besichtigten wir das antike Pergamon (heute Bergama). Die Akropolis lag auf einem Berg mit wunderbarem Rundumblick. Wir genossen den Tag zwischen den Ausgrabungen und Säulen der antiken Stadt sehr.
In der darauffolgenden Nacht fiel das Thermometer auf 2°C ! Am Morgen hatten wir nur 9°C im Schiff. Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Luft war so klar und kalt, als ob wir uns im Skiurlaub befanden. Zum Glück schien die Sonne und wärmte etwas. Dennoch beschlossen wir einen Heizlüfter zu kaufen, da unsere Petroleumlampen gegen diese Kälte nicht mehr anheizen konnten. Der Abend und der nächste Tag waren dadurch sehr erträglich.
Als sehr faszinierend empfanden wir die springenden Katzen im Hafen. Wie selbstverständlich sprangen sie von Schiff zu Schiff. Dabei hatten sie große Distanzen zu überwinden. Eigentlich glaubten wir uns weit genug vom Steg und von unserem Nachbarschiff entfernt. Doch irgendwann miaute es auch vor unserem Eingang und eine Katze mit riesigen grünen Augen sah uns durch das Fenster an. Die Katzen sehen hier meistens sehr sauber und gepflegt aus. Sie haben keine Not zu leiden, da sie von den Fischern immer Fischreste erbetteln können...
Am nächsten Tag wurde es deutlich milder. Bei 10°C und strahlendem Sonnenschein legten wir nach 6 Nächten in Ayvalik wieder ab und machten uns auf zu einer geschützten Ankerbucht ca. 20 sm südlich. Das war unser erstes Ankern nach dem Ankern in der Bosporusbucht Poyraz. Die Fahrt war sehr entspannt... Delfinwetter! Wieder sahen wir zahlreiche Delfine neben uns.
Am Abend bot sich in der Bucht eine unglaubliche Stille und dazu ein Sternenhimmel mit Vollmond!.... Schade, dass die Nächte nicht mehr so warm sind, dass man sie an Deck verbringen kann... aber das wird mit Sicherheit auch wieder kommen! Der darauffolgende Tag war nicht wirklich schön. Wir hatten Südwind und wollten nach Süden fahren. Nach Auskunft der Wetterseiten aus dem Internet hatten wir nicht viel Wind zu befürchten, so dass wir die Strecke mit Motor fahren wollten. Nach einiger Zeit baute sich eine immer größere Welle gegen uns auf... es platschte nur so auf uns und die ALEGRIA. Das Deck und größtenteils auch wir bekamen regelmäßig eine Salzwasserdusche. Nach vier Stunden hatte der Spuk ein Ende, als wir in Abdeckung einer vorgelagerten Insel gerieten. Unser Zielhafen Foca lag jetzt nicht mehr weit entfernt. Salzverkrustet und müde kamen wir im Hafen an... kein Platz für uns! Das hatten wir bisher noch nie. Doch so schnell geben wir nicht auf und drängelten uns einfach zwischen zwei Boote. Das ist der Vorteil, wenn man ein nicht ganz so großes Schiff fährt.
Durch die ständig überkommenden Wellen hatten wir wieder viel Wasser im Schiff. Die Bilgepumpe saugte nicht... was war das nur schon wieder? Carsten kam seiner „Lieblingsbeschäftigung“ nach... das Auseinandernehmen von Pumpen. Er war bald fündig. Es hatte sich eine kleine Espressobohne in die Pumpe gesaugt. Diese muss uns zuvor in die Bilge gefallen sein.
Der nächste Tag war wunderbar warm... 22°C. Wir genossen ihn an Bord mit Lesen und Faulenzen und dem Umherschlendern in Foca... ein wirklich schöner beschaulicher Ort.