Die Uhren stehen auf Balkanzeit ...

Nach einem Tag voller Naturgewalten, folgte ein Tag mit vielen technischen Eindrücken. Wir fuhren auf die Schleuse "Eisernes Tor" zu. Eine riesige Wand, welche die gesamte Donau durchtrennt (1,5 km). Sie ist 70 m hoch. An jeder Seite befindet sich jeweils eine 310 m lange und 34 m breite Schleuse in 2 Staustufen. Wir entschieden uns für die rumänische Seite, da der Zollbeamte von Orsova meinte, wir sollten diese benutzen. Wie auch bei den zahlreichen vorherigen Schleusen meldete Carsten uns über Funk an. Keine Antwort. Wir legten am Schleusenvorhof an. Dies war aufgrund der enormen Seitenströmung nicht ganz so einfach....gelang jedoch mit viel Kraft. Ich kletterte auf den Ponton und machte mich auf den Weg Richtung Schleusenwärter, um den Herren direkt zu fragen. Mit Händen und Füßen versteht es sich leichter, als über Funk. 10 Minuten Fußweg über klapprige Stege. Ein Blick in die Schleuse... die ist ja komplett trocken. Ein riesiges Betonbecken. In der Ferne sah ich zwei Männer. Sie gestikulierten bereits, dass wir zur anderen Schleuse fahren sollten. Also wieder abgelegt und andere Schleuse angefunkt... wieder keine Antwort. Wir dümpelten im Oberwasser der Schleuse. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden, vier Stunden.. wir haben Suppe gekocht, wir haben Kaffee gekocht... inzwischen kamen zwei Bergschleusungen hoch... niemand von den Wartenden wurde mit runtergeschleust. Wir warteten mit drei großen Schubverbänden. Carsten funkte nach 6 Stunden ziemlich penetrant den Schleusenwärter an... in allen Sprachen, die er irgendwie beherrschte. Am Besten klappte sein serbisch. Ich verstand kein Wort... der Schleusenwärter reagierte zumindest. Das haben wir nur leider nicht verstanden. Was war nur der Grund dafür, dass niemand zu Tal geschleust wurde? Plötzlich funkte uns einer der Schubverbände an und übersetzte uns, dass wir noch eine weitere Stunde warten müssten. Na gut, Zeit für Abendessen und Abwasch.

Es wurde bereits dunkel. Um 20.30 Uhr fuhren wir nach dem noch länger wartenden ungarischen Schubverband ein. Ich habe noch nie in meinem Leben über einen Zeitraum von 8 Stunden durch ein Fernglas auf zwei rote Punkte (Schleusensignal) gestarrt. Das Eiserne Tor ist insgesamt schon ziemlich aufregend, jedoch bei Nacht nicht gerade entspannend. Der Wind war inzwischen eingeschlafen, so dass wir vorsichtig hinter dem riesigen Schubverband festmachten.

In der Schleuse knarrte und ächzte alles. Metall schlug aneinander, vibrierte, klapperte. Wasser tropfte, strömte, sprudelte... über uns ein beruhigender Sternenhimmel. Das erste Schleusentor öffnete sich... ein weiterer Schubverband fuhr aus der entgegenkommenden Richtung in die Schleuse ein. Wir fuhren langsam raus und sofort in die nächste Schleuse ein. Wieder alle Geräusche und dazu ein riesiges Tor, welches sich zwischen die beiden Schleusen schob... irgendwie unheimlich. Nach 2 Stunden reiner Schleusenzeit waren wir endlich unten. Das Tor öffnete sich. Eine Welt mit 1000 Lichtern tauchte vor uns auf. Hier mussten wir uns erst einmal orientieren und die für uns wichtigen Lichter von den anderen unterscheiden. Bis zum geplanten Anleger in Turnu Severin waren es zum Glück nur noch 10 km. Das Fahren in der Nacht ohne Radar ist nicht ganz einfach, da die wenigsten Tonnen beleuchtet sind.

Behutsam tasteten wir uns vor, suchten die Tonnen mit Fernglas und Suchscheinwerfer. Am linken Ufer beleuchtete Kräne einer Werft... Wir suchten nach einer Anlegemöglichkeit und blickten in diese Richtung. Dann tauchte aus dem Nichts ein schwarzer riesiger, unbeleuchteter abgestellter Leichter auf. 20 m weiter rechts und wir hätten ihn gerammt... 

In Turnu Severin trafen wir mal wieder auf sehr freundliche Menschen. Am nächsten Tag nahmen wir beim Hafenmeister im Büro Platz. Wir unterhielten uns bei Kaffee und nahmen dankbar viele Informationen von ihm auf. Schließlich organisierte er uns noch seinen Fahrer, der mit uns Diesel an einer Tankstelle kaufte. Wie selbstverständlich hielt er auch an einer Bank und einem kleinen Laden zum Brot kaufen an. Zum Abschied erhielten wir unsere Bootspapiere zurück. Man wünschte uns eine gute Reise.

Bis jetzt haben wir in Rumänien nur freundliche und zuvorkommende Menschen getroffen. Sie wirkten nie aufdringlich oder fordernd... Die Geschichten von Schmiergeldern und dem Ausnehmen von Touristen können wir bis jetzt nicht bestätigen.

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