Ankern, ankern, ankern ...
Die Fahrt aus Belgrad führte uns zunächst an eintöniger Landschaft vorbei, bevor sie zunehmend hügeliger wurde. Die erste Nacht verbrachten wir im Windschatten einer Insel. Der Wind briste über Nacht auf. Wir haben zwar davon gehört, dass es auf der Donau auch Wellen geben könnte, was dies allerdings bedeutet, sollten wir auf dem kommenden Abschnitt erfahren.
Es war strahlender Sonnenschein mit einem steifen Wind aus Ost. Da die Donau nun Richtung Osten verlief, hatten wir den Wind direkt gegen an. Wir kämpften uns drei Stunden durch Wellen. Das Spritzwasser bescherte uns eine Dusche nach der anderen. So saßen wir bei allerschönstem Wetter mit unserer Regenkleidung an Deck. Erst in Veliki Gradiste hatte der Spuk endlich ein Ende. Gegen 16.00 Uhr legten wir zur Revision am Zollponton an. Hier merkten wir erst, wie warm es den Tag doch war. Das Ausklarieren verlief wieder sehr problemlos. Ein wenig Diskussion gab es nur, weil ich den Zollbeamten klarmachen musste, dass wir noch Lebensmittel benötigen. Wir haben in Serbien ausklariert und dürfen nun auf den nächsten 200 km auf serbischer Seite nicht mehr festmachen... ankern ist erlaubt! Sie erlaubten mir, dass ich eine Stunde einkaufen durfte.
Die Fahrt konnte nach den Einkäufen fortgesetzt werden. Vor uns liegt nun der wohl schönste Teil der Donau. Die Fahrt bis zum "EisernenTor". Wir passieren an km 1044 Golubac. Zuvor durchfuhren wir eine Wasserwüste mit unzähligen abgestorbenen Baumkronen. Dieser Teil wurde bereits über 10 km aufgestaut. Vorbei an einer Burgruine und dem Rabakai-Felsen, dem "Torwächter", fahren wir ein in die 117 km lange Strecke, die früher nur aus Stromschnellen mit starkem Gefälle bestand. Früher waren hier die Wasserfälle mit 80 m höher als die Niagarafälle. Am rechten und linken Ufer türmen sich bereits massive Berge empor. Der Tiefenmesser fällt von eben noch 5 m Wassertiefe auf 25 m. Ich beobachte vom Vorschiff aus unzählige Kreise und Strudel. Die Ruderwirkung ist etwas schwieriger als sonst, doch gut zu halten. Hineinfallen möchte ich da allerdings nicht. Es erscheint etwas unheimlich. Inzwischen ist die Sonne am Untergehen und wirft die Berge in ein goldenes Licht. Wie auf Knopfdruck wurde es dunkel, als sie hinter einem Berg verschwand. Jetzt wurde es Zeit, um sich einen Platz für die Nacht zu suchen. Das folgende Becken erschien uns für geeignet. In der Dämmerung war es nicht ganz einfach, zumal überall Fischernetzte verteilt lagen. Der Tiefenmesser zeigte unerklärliche Sprünge von eben noch 8 m auf 3 m bis hin zu 0,5 m. Nach einigen Versuchen hielt der Anker schließlich und der Motor konnte verstummen.
Nach dem Abendessen las ich noch etwas über die kommende Strecke nach und fragte Carsten an welchem Kilometerstand wir uns befinden. Mir blieb fast das Herz stehen, als ich feststellen musste, dass unter uns ein überflutetes Dorf lag. Dieses sollte man an backbord passieren. Angeblich sind schon einige Schiffe an der Kirchturmspitze hängengelieben und gesunken. Keine so nette Vorstellung. Wir sahen uns an... war das der Grund für die unterschiedlichen Wassertiefen? War das der Grund für den Ankergrund, der den Anker nicht hielt? Wo liegt der Anker jetzt? Hat er sich an einem Dach festgesetzt oder gar an der Kirchturmspitze? Bekommen wir ihn morgen ohne Probleme wieder hoch? Das Wasser sieht von oben an jeder Stelle gleich aus, was unter dir geschieht, sieht man nicht. Die Nacht schliefen wir etwas unruhig.
Nebel lag am nächsten Morgen über dem Wasser. Unheimlich und verwunschen sah alles aus. Nach dem Frühstück hat die Sonne den Nebel verschlungen. Nun wurde es spannend... ist der Anker in einem Schornstein gelandet oder einfach nur auf einem Flachdach ? Alles schien in Ordnung zu gehen da vorne auf dem Vorschiff. Anker auf! Puh... geschafft... langsam verlässt Alegria diesen unheimlichen Ort, still in sich reingrinsend doch an der Kirchturmspitze geankert zu haben. Nicht nur Pippi Langstrumpf kann dies mit ihrem Heißluftballon.