Budapest ...
Die Fahrt bis Budapest konnten wir nicht wirklich genießen, da unser Blick immer sehr sorgenvoll auf die Temperaturanzeige ging. Hoffentlich hält unsere ALEGRIA durch und hoffentlich gibt es keinen Folgeschaden.
Der Dauerregen vom Morgen ließ nach. Dafür kam ein steifer Wind auf. Mütze und Skiunterwäsche waren genau richtig. Die Donau zeigte sich von einer aufschäumenden Seite. Es bildeten sich kleine Schaumkronen. Zum Glück hatten wir meistens den Wind von achtern (hinten). Wir waren froh, bereits durch den beschriebenen Kanal durch zu sein. Bei diesem Wind wäre es bestimmt nicht so lustig gewesen.
Es begegneten uns einige Schiffe, die alle recht harmlos waren. Ich habe noch gar nicht von der Konkurrenz zu den Hornissen (Kreuzfahrer) geschrieben. Seit Wien fahren auf der Donau in einem unbeschreiblichen Tempo Schnellfähren. Sie tauchen aus dem Nichts auf und sind ebenso schnell wieder verschwunden. Sie sehen aus wie aufgeblasene Kondome mit Füßen. Es war wirklich schwer sie auf ein Foto zu bekommen. Diese schwimmenden Kondome benötigen in einer Stunde 100 l Benzin...! Wir hatten allerdings auf dieser Strecke andere Sorgen, so dass uns selbst dieses Kondom nicht wirklich beeindruckte. Es heißt bei uns dann nur: „Achtung, ein Kondom von hinten!“
Um sicher zu gehen, dass die Kühlflüssigkeit reicht hielten wir auf ca. der Hälfte der Strecke bis Budapest an, warfen den Anker mitten im Strom, machten den Motor aus und füllten Wasser nach... es war tatsächlich knapp. Die frisch aufgefüllten 3 l Wasser vom Morgen sind ausgelaufen. Die restliche Strecke bis Budapest verlief problemlos.
In Budapest angekommen war uns zuvor bewusst, dass wir in den einzigen Hafen aufgrund unserer Tiefe nicht einlaufen konnten. Wir hatten bereits eine Alternative in einem Seitenarm ausgesucht. Hier liegen wir nun an einem anderen großen Frachtschiff in völlig „romantischer“ Lage. Wir bekommen Strom vom Nachbarschiff. Unser Frischwasser wird allerdings knapp. Zum Duschen und Baden haben wir uns schon einige der zahlreichen Heilbäder hier in Budapest ausgesucht. Wir werden wohl noch etwas bleiben müssen, da die Pumpe in ganz Budapest und Umgebung nicht bestellt werden kann. Jetzt wird sie nach Budapest nachgeschickt. Das kann dauern...
Wir haben nun genügend Zeit, um Budapest zu erkunden. Heute war es für uns nur laut, kalt, windig, unfreundlich und unharmonisch. Es wirkt so verkommen und doch möchte man hier alles tun, um modern zu sein. Was ich hier sehr befremdlich finde ist, dass viele Menschen sehr verbittert, traurig (?), mürrisch oder wie auch immer herumlaufen. Die Frauen sind ziemlich überschminkt und die meisten Menschen laufen mit heruntergezogenen Mundwinkeln herum. Es macht irgendwie den Anschein, dass sie sich gegenseitig nicht wahrnehmen. Man wird hier nicht angesehen... es wirkt fasst so, als ob man ignoriert wird. Dies beobachte ich nicht nur an uns. Es beruhigt mich etwas, denn dann liegt es nicht an uns... sie gehen anscheinend miteinander so um.