Natur und Minivampire ...

Bratislava bis Budapest

In Wien abgelegt, mussten wir schon bald unter abenteuerlichen Bedingungen unsere erste Revision in Hainburg und später für die slowakische Seite in Devin machen. Für das wir nicht einmal einen Stempel in unsere Pässe bekamen nahmen wir ein ziemliches Risiko auf uns. Die beiden Zollstationen liegen jeweils für die Sportschifffahrt in der Außenkurve im Strom, so dass die Alegria wieder ziemlich arbeiten musste. In Wien fragten wir zuvor einen Zollbeamten für die Fahrgastschiffe, ob wir bei ihm ausklarieren könnten. Er meinte, dass hierfür ausschließlich Hainburg zuständig sei. Zitat O-Ton vom Zollbeamten nachdem wir ihn auf die erhöhte Strömung in Hainburg hinwiesen: „Alles ist halt ein großes Abenteuer!“

Hinter Bratislava legten wir an einem Restaurant-Steg in einem Seitenarm an. „Milan´s-Treff“ ist sehr bekannt und wirklich zu empfehlen. Inzwischen haben wir längst die österreichische Gastlandflagge gegen die slowakische ausgetauscht. Nach einer ruhigen Nacht fuhren wir weiter.

Viele warnten uns vor der bevorstehenden Strecke. Der Schifffahrtskanal Gabcikovo sollte es mit der am Ende des Kanals befindlichen Schleuse ziemlich in sich haben. In dem Trichter vor dem Kanal können sich angeblich bis zu 3m hohe Wellen bilden. Im Kanal sollten wir durch die vorbeifahrenden Schiffe kräftig durchgerüttelt werden und direkt vor der Schleuse soll man angeblich nicht anlegen können, um auf das Schleusen zu warten. Wir machten uns auf einiges gefasst. Nichts von dem traf zu!

Das gesamte Bauwerk steht ziemlich in der Kritik. Die Slowakei baute ihn, nachdem Ungarn aus ökologischen Gründen abgesprungen ist. Die Donau flutet an dieser Stelle unzählige einzigartige Auenwälder. Durch die Aufstauung sinkt der Wasserpegel unterhalb des Staus ab. Damit ist die Heimat vieler Wasservögel und seltener Pflanzen gefährdet.

Die Slowakei kalkulierte mit der Schleuse ein Kraftwerk, welches insgesamt 720 MW Strom produzieren soll. Dies war für sie wirtschaftlich von großer Bedeutung, um von Tschechien unabhängig zu werden. Umweltschutz hin Kraftwerk her, es ist für mich unerklärlich, dass solche Wassermassen künstlich umgelenkt werden können. Einen Kanal von 38 km zu bauen und diesen komplett mit Folie abzudichten ist schon verrückt. Beim Durchfahren konnten wir ab und an mal eine Kirchturmspitze sehen. Ansonsten war die Fahrt landschaftlich sehr langweilig.

Die Nacht verbrachten wir in einem sehr verträumten Seitenarm der Donau. Wir ankerten das erste Mal auf unserer Fahrt. Alles hätte so romantisch sein können, wenn uns nicht die Mücken wie Vampirschwärme in der Dämmerung überfallen hätten. Später ließen sie uns dann jedoch unter Sternenhimmel ein Glas Rotwein trinken.

Am nächsten Morgen wurden wir von einem Paddelgeräusch geweckt. Mir war etwas unheimlich zumute, da dieses Geräusch direkt neben unserer Schlafkoje war. Da kommt jemand an die Alegria.... ob der uns etwas wegnehmen will oder will er sich das Schiff nur ansehen ? Ein mutiger Blick nach oben durch die Luke... es war ein Angler, der direkt neben unserem Schiff seine Angel auswarf. Komisch, dabei war die Stelle nicht gerade klein. Er begrüßte uns fröhlich und zeigte uns seinen zahlreichen Fang.

Am nächsten Tag (28.08.06) hatten wir keine Schleuse...( unsere letzte Schleuse kommt übrigens erst wieder am Eisernen Tor).

Dafür gab es wieder zwei Revisionen. Slowakei raus und Ungarn rein. Die Zollanleger scheinen immer recht abenteuerlich zu sein. Ich glaube die wollen einen nur auf das Anlegen hin testen, denn die Pässe oder Sonstiges wollte keiner sehen... wir haben wieder keinen Stempel bekommen.

Die Landschaft wird im weiteren Verlauf wieder hügeliger. Am sogenannten Donauknie passieren wir die wunderschöne Kathedrale in Esztergom. Die Kuppel ist dem römischen Petersdom abgeschaut. Es sah sehr beeindruckend aus. Danach kamen einige Engstellen, in denen uns natürlich gleich Schubverbände begegneten. Der eine wartete sogar auf uns.

Die Nacht verbrachten wir wieder in einer schönen Ankerbucht mit ausreichend Wassertiefe.


Ein Problem trat am Abend jedoch auf.... Motorenkunde Teil 3: der innere Kühlkreislauf. Wir verlieren zu viel Wasser. Das reparierte äußere System läuft prima. Jetzt geht´s wohl an die Feinheiten... Bis Budapest werden wir hoffentlich damit noch kommen. 

 

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