Es ist Sommer... oder ?

von Straubing bis Obernzell


Claudia glücklich und zufrieden an der PinneWir wurden von Regen und Wind geweckt. Für den Winter habe ich lange Unterwäsche, Fleecemütze und –schal eingepackt. Dies wurde nun im August (!) angezogen. Mit heißem Tee und entsprechender Kleidung machten wir uns auf den Weg. Die Fahrt verlief problemlos. 
Uns begegneten zahlreiche sogenannte „Schwarze“ aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie winkten uns freudig zu uns wünschten uns eine gute Reise. Die Berufsschifffahrt erscheint uns bis jetzt sehr rücksichtsvoll. Selbst das Schleusen mit ihnen bereitet bisher keine Probleme.

In Deggendorf machten wir Station. Zum Nachmittag kam die Sonne. In dem Motoryachtclub wurden wir sehr freundlich empfangen. Es gab dort für uns ein richtiges Badezimmer mit Badewanne.

Nach einem wunderbaren Frühstück am nächsten Tag ging es weiter über Passau nach Obernzell. Nach Passau bekam die Donau plötzlich eine helle milchige Farbe und wurde schlagartig kälter. Dies merkt man an unserem Schiff sehr deutlich, da wir dicht über dem Wasser sitzen. Der Inn fließt hinter Passau in die Donau. Er ist mit Gletscherwasser angereichert und führt viel Sand mit sich. Dadurch wurde aus der eher grünen Donau eine blaue. 

Tja und wer der wirkliche Herrscher der Donau ist bekamen wir unmittelbar nach Passau zu spüren. Mit der Berufsschifffahrt kommen wir, ob lang oder breit, gut klar... fürchten sollen wir ab sofort die Fahrgastschiffe. Carsten und ich wollen sie „die Hornissen“ nennen. Ähnlich wie bei der Biene Maja tauchen sie plötzlich aus dem Nichts auf und richten Unheil an. 

So war es auch hinter Passau. Hinter uns ein lautes Hupen. Wir haben das Ungetüm schon heranwalzen sehen. Für die Überholspur blieb eigentlich genügend Platz. Das Fahrgastschiff „Belevue“ bestand jedoch auf die Innenbahn. In letzter Minute weichten wir aus. Eine riesige Heckwelle schaukelte uns durcheinander. Die zahlreichen Touristen auf diesem Schiff winkten uns freudig zu und verstanden wahrscheinlich nicht, warum unsere Gesichtsausdrücke nicht so entspannt waren wie ihre. Diese Begegnungen werden uns nun auf der weiteren Reise begleiten. Auf der Donau sind zahlreiche Fahrgastschiffe unterwegs. Sie unternehmen Fahrten bis zum Schwarzen Meer oder teilweise nur in einige größere Städte. Es sind regelrechte schwimmende Hotels, die nach Zeitplan fahren. Ich entwickle jedenfalls im weiteren Verlauf einen Hass auf diese rücksichtslosen Schiffe.

ALEGRIA & Crew in den BergenVor Obernzell gibt es einen Hafen mit kleiner Werft, bei der wir noch einige Ersatzteile mitnehmen wollten. Nach Auskunft der Hafenmeisterin sollte es tief genug für unsere ALEGRIA sein. Dies stellte sich jedoch anders dar. Die Hafeneinfahrt war viel zu flach. Zum Glück tasteten wir uns langsam vorwärts. Die erste Grundberührung. Nur mit entsprechendem Zug zurück konnten wir uns aus dem Sand ziehen, bevor die nächste „Hornisse“ heranwalzte. Etwas bedröppelt fuhren wir weiter bis Obernzell. Hier gab es keine wirklich gute Liegemöglichkeit für uns. Überall wurden wir durchgeschaukelt von den vorbeifahrenden Fahrgastschiffen. Am Stadtpier wollten wir kurz anlegen. Leider bauen die in Obernzell ihren Pier so, dass sie unter der Wasseroberfläche versteckt noch einen kleinen Absatz konstruieren... warum auch immer? ALEGRIA bekam schon wieder einen Stoß an ihren Rumpf. Viele nette Leute wollten uns helfen. Ich ging vom Boot und wollte zu einem nahegelegtem Fähranleger gehen und fragen, ob wir daneben für eine Nacht anlegen könnten. Dies sollte kein Problem sein. Als ich wieder zurückkam sah ich Carsten allein auf der Donau mit der Alegria. Rechts ein Fahrgastschiff, links ein Fahrgastschiff und bereits passiert ein Schubverband. Die ALEGRIA schaukelte in den Wellen dieser drei wie ein Wildpferd und Carsten rodeoreitend auf ihr. Hätte Carsten nicht abgelegt wäre er durch die Kraft der Wellen gegen die Kaimauer gedrückt wurden... keine so nette Vorstellung für den Rumpf der ALEGRIA.

Carsten sammelte mich wieder ein. Wir versuchten unser Glück am Fähranleger... auch zu flach. Wir legten längsseits an einer alten Fähre an. Wie der Zufall es wollte stand ein sehr netter Mann am Ufer. Er beobachtete uns schon eine Weile aus seinem VW-Bus, da er unser Schiff sehr schön fand. Er gab uns den Tipp stromab an einem Restaurantsteg anzulegen. Ich fuhr mit ihm dorthin, um nach der Tiefe des Stegs zu fragen... angeblich kein Problem.

Die Kohlbachmühle war unsere nächste Station. Mit ausreichend Autoreifen abgefendert lagen wir dort für eine Nacht. Der Wirt Alois Fesl war von uns, unserem Vorhaben und unserer ALEGRIA so begeistert, dass er für den nächsten Tag die Presse und das Fernsehen kommen ließ.

Sehr nette Menschen haben uns dort in Obernzell geholfen. Der nächste Tag war geprägt mit Interviews, Fernsehkameras, Ersatzteile besorgen und Seewasserpumpe mit neuer Dichtung versehen. Seitdem ist unser Schiff so trocken, dass wir Mehl in der Bilge fahren können !!!

Gegen 15.00 Uhr legten wir mit einem Glas Sekt vom Wirt Alois Fesl und vielen winkenden Gästen an der Kohlbachmühle ab und verließen Deutschland.

zurück