Leinen los ...
Am Sonntag war es nun endlich soweit, wir warfen am Nachmittag trotz des Regens unsere Leinen los. Vorsichtig steuerte ich die Alegria auf die Donau. Zuvor sind wir noch nie auf einem Fluss gefahren. Keine Ahnung von den Stömungsverhältnissen, der Berufsschifffahrt und von den Schleusen. Dies alles kannten wir nur aus der Theorie. Die Alegria ließ sich gut im Strom steuern, die Berufsschifffahrt wird schlimmer beschrieben als sie ist und unsere ersten beiden Schleusen für den Tag waren unproblematisch. Jetzt mussten wir nur noch eine Anlegemöglichkeit finden. Es ist für unser Segelschiff auf der Donau nicht so ganz einfach, da wir aufgrund des Kiels einen Tiefgang von 1,80 m haben. Die meisten Sportboothäfen haben lediglich eine Tiefe von 1,50 m.
Wir informierten uns telefonisch bei der Marina Regensburg über deren Tiefe und erhielten die Auskunft, dass wir nur an der Spundwand liegen könnten. Mittlerweile wurde es immer dunkler. Bisher haben wir noch keine Nachtfahrt gemacht. Die Touren auf der Ostsee waren jahreszeitlich bedingt spätestens in der Dämmerung beendet. Nun sollte eine Nachtfahrt für heute auch noch Premiere haben. Nach der Schleuse Regensburg rauschten wir erst einmal an der Hafeneinfahrt vorbei. Jetzt hieß es wenden und gegen den Strom fahren. An der besagten Spundwand lag ein riesiges Versorgungsschiff. Hier legten wir längsseits an. Ich fragte die Besatzung, ob wir über Nacht liegen bleiben könnten. Wir bekamen zur Antwort, dass wir unbesorgt in den Hafen fahren könnten. Na gut, wir probierten es. Hier lagen wir viel besser, als an dem Versorgungsschiff. Am nächsten Tag machten wir noch einige Besorgungen in Regensburg. Wir gingen über die bekannte „Steinerne Brücke“ aus Goethes Faust, schlenderten durch die verwinkelte Altstadt, aßen ein Eis und besuchten den Regensburger Dom. Da es genau 12.00 Uhr war nahmen wir an einer Mittagsmeditation teil. Hier schien für uns die Zeit für einen Moment still zu stehen. Es war ein kurzes Innehalten. Die vielen Gefühle der letzten Tage kamen ins Bewusstsein. Ängste, Traurigkeit, Sorgen, Freude, Liebe, Wut, Glück... Wir gaben uns gegenseitig einen Reisesegen.
Die Fahrt bis Straubing verlief unproblematisch. Wir machten kurz hinter der Schleuse fest. Gegenüber hatten sich bereits zwei Berufsschiffe für die Nacht festgemacht. Nach unserem Abendessen sah Carsten wohl eher aus Intuition noch einmal in die Bilge (tiefster Punkt im Schiff). Mit Entsetzen vernahm er einen Wassereintritt. Ich hörte nur: „Claudi, wenn wir jetzt nichts machen, dann saufen wir ab“. Das schien schon etwas ernster zu sein, denn das sagt Carsten nicht so schnell, er ist in diesen Sachen immer sehr gelassen. Durch das Schließen des Seewasserventils konnte zumindest ein Nachfließen verhindert werden. Bis 2.00 Uhr Nachts wurden Ursachen gesucht .... und gefunden ! Der Seewasserschlauch, den ich für viel Geld neu gekauft hatte, lag zu dicht an der Welle des Propellers. Langsam aber sicher wurde er porös gescheuert. Es hatte sich bereits ein Riss gebildet. Solange der Motor läuft wird ein Teil des Wassers zur Kühlung wieder aus dem Schiff gepumpt. Als wir jedoch still lagen und der Motor aus war, floss solange Wasser nach, bis das Seewasserventil abgestellt wurde.